Bereits im Jahre 1960 sah sich das Fernsehen vor allem als Bildungsinstanz, die eher durch den weiten Bildungsbegriff als durch den engen beschrieben wurde und befand sich somit von Anfang an in der Nähe der informellen Bildungsangebote. Das Fernsehen wurde zu jener Zeit schon als soziales Umfeld angesehen, welches durch seine pure Existenz das Leben des Zuschauers veränderte. Der Fernseher fügt sich in die heutige Massen- und gleichzeitig Vereinzelungsgesellschaft problemlos ein, da er zwei Bedürfnisse befriedigt: `das nach sachkundiger Orientierung in einer unüberschaubar gewordenen Welt und das nach erlebnisbetonten Kontakten mit interessanten, lebensbeutenden und unterhaltsamen Menschen und Situationen' [GIES 1975, S.34,]. Damit ist der Fernseher einfach Mitglied des Kommunikationsystems Gesellschaft. Er fügt sich mit seinen spezifischen Eigenschaften in dieses System ein, welches darauf reagiert und sich entsprechend anpaßt. Außerdem hat Bildung auch die Aufgabe, Themen zur Verfügung zu stellen oder zu verstärken, die eine Gesellschaft zusammenhalten oder überhaupt am Leben halten. Wenn dazu die weiter oben genannten Beiträge ihren Anteil leisten können, dann haben sie ihre Funktion im Sinne des weitgefaßten Bildungsbegriffes erfüllt. Diese sollte nicht unterschätzt werden, da auch das Lernen von Alltagswissen durchaus schwierig und komplex sein kann.
| Fernsehen: | Tageswissen | Angebot | Freizeit |
| Schule: | Lebenswissen | Schulpflicht | Zwang |
Man kann die Entwicklung der informellen Bildungsangebote in drei Phasen unterteilen. Die Sendungen der jeweiligen Phase spiegeln den Prozeß wieder, den jedes neue Medium vollzieht. Am Anfang steht dabei die übernahme von Bewährtem aus anderen Medien. Erst nach und nach entwickeln sich ganz charakteristische Sendeformen, die auf das Medium zugeschnitten sind und so dessen Möglichkeiten voll ausnutzen. Der Zuschauer ist dabei nicht passiv, sondern nimmt an dem Prozeß der Entstehung neuer Sendeformen teil, in dem er sie annimmt oder ablehnt. Ja er muß mit ihnen umgehen können und deren Intention verstehen. Nur dann ist Lernen möglich. Ansonsten müssen diese Formen von den Verantwortlichen modifiziert oder verworfen werden.
Die erste Phase wird durch versteckte informelle Bildungsangebote in formellen Bildungsangeboten eingeläutet, die sich sehr an dem Unterrichtsmodell `Schule' orientierte. So ist es nicht verwunderlich, daß die erste Inszenierung innerhalb einer solchen Bildungssendung eine fiktive Lehrer - Schüler Situation war. Mit dieser erhofften sich die Programmacher einen größeren Lernerfolg, da sich der Zuschauer in diese Situation - im wahresten Sinne des Wortes - hineinversetzen konnte: `Wir machen ein Programm - Datenverarbeitung aus erster Hand (1967)' [VON CUBE 1994, S.146,]. Zu bemerken ist, daß dieses inszenatorische Element der Zuschauer nicht bemerken sollte. Dies war insofern sinnvoll, da der Zweck in der Steigerung des Lernerfolges war. Hätte man ihn auf den fiktiven Charakter hingewiesen, so wäre er vielleicht irritiert gewesen und hätte an den Fragen des Schülers gezweifelt. Auf jeden Fall war ihm diese Präsentationsform zu dem damaligen Zeitpunkt fremd.
Spätestens ab der Programmreform des WDR im Jahre 1972 gibt es mehr als nur unterhaltende Elemente in den Bildungssendungen der dritten Programme. Zusätzlich wurde der zu vermittelnde Stoff breiter gefaßt, so daß auch Themen, die dem Bereich der Freizeit und Familie zugeordnet werden können, Einzug in das Bildungsprogramm fanden: `Elternführerschein' oder `Urlaub mit Kindern'. Des weiteren wurde auch die Psychologie salonfähig mit dem Beitrag `Wie behandele ich meinen Chef?' [TERLINDEN 1979, S.178-179,]. Charakteristkum dieser ersten Phase ist ein fortschreitendes Verschmelzen von fiktiven Elementen und realen, welches seinen Höhepunkt in der Sendung `Fragezeichen (1974)' fand. Dort verpflanzte man den (echten) Professor vom Hörsaal in die Eckkneipe nach nebenan, der dann von einem präparierten Wirt ausgefragt wurde (Ernst Hilbich). Charakteristisch war aber, daß die Sendung diese eine spezielle Form der Darbietung vom Anfang bis zum Ende durchzog. Der Dialog mit dem Professor wurde nicht durch Einspielungen oder ähnliches unterbrochen.
Das ZDF hatte - früher als der WDR - mit solch einer Form der Bildung keine Probleme. Aber der Sender war auch nicht verpflichtet, unmittelbar zu bilden, sondern sah `Lernen als Bereitstellen von Erfahrungen für das zukunftige Tun' [GIES 1975, S.33,] an. Es sollte eben gelernt werden und es sollte auch noch Spaß machen - ganz zum Gegensatz zum Lernen im Hochkulturschema, wo zuerst die Anstrengung und dann der Genuß kommt.
Im Jahr 1974 gab es die Sendung `Naturwissenschaft im Alltag', die charakteristisch für die zweite Phase war. Hier wurden Studioszenen (Präsentation von Versuchsaufbauten) mit fiktiven Filmen (das Problem beschreibende Alltagssituationen) und Reportagen (Anwendung) gemischt. Hier zeigt sich zum ersten mal die Vielseitigkeit des Medium Fernsehens und die Ausbildung einer speziellen Form von Wissenschaftspräsentation. Zu diesem Zeitpunkt waren die Zuschauer mit der Funktion solcher fiktiven Szenen vertraut, so daß diese auch als solche markiert wurden. Hier dienten sie zur Problemdefinition eines physikalischen Sachverhaltes (z.B. `Warum ist Glas durchsichtig?'). Informelle Sendungen haben ja nur das Potential zu bilden aber dieses wuchs durch den adäquaten Einsatz verschiedener Vermittlungsformen.
Die dritte Phase der Evolution der Wissenschaftssendungen wurde durch eine neue Spezies von Sendeform bestimmt, die erst durch das Fernsehen entstehen konnte und hervorragend darauf angepaßt war und es immer noch ist: das Ratespiel oder Quiz. Es lag nahe, dieses Erfolgskonzept der Fernsehunterhaltung mit dem Bildungsauftrag zu verschmelzen: `Kopf um Kopf - Ein Spiel um Wissenschaft (1972)', war die erste Sendung, die diese Fusion vollzog. Der Unterhaltungswert war bei dieser Sendung vor allem dadurch gegeben, daß physikalische Probleme in Gruppenarbeit vor laufender Kamera gelöst werden mußten. So gab es genügend Möglichkeiten, Sympathien oder Antipathien zu entwickeln und sich so mit dem einen oder anderen zu identifieren [VON CUBE 1994, S.148,]. Das Ratespiel war von Anfang an als informelle Bildungssendung konzipiert. Die Fragen sollten auch immer einen didaktischen Effekt seitens des Zuschauers haben. Zu diesem Zwecke wurden sehr liebevoll Versuchsaufbauten entwickelt, die den physikalischen Sachverhalt anschaulich erklären konnten.
Die informellen Bildungssendungen ließen einen neuen Berufsstand entstehen, den Wissenschaftsjournalisten. Im Gegensatz zu dem Kollegen bei der Zeitung oder dem Radio mußte sich der Journalist im Fernsehen sehr intensiv mit der Dramaturgie des Stoffes beschäftigen. Er war damit meistens alleingelassen, da weder Professoren noch Regisseure fertige Drehbücher erstellen beziehungsweise bearbeiten können. Die Kompetenzbereiche von Regisseur, Wissenschaftler und Journalist überschneiden sich in den meisten Fällen praktisch nicht. So passiert es, daß der ausgebildete Physiker mit Interesse an der Produktion von Sendungen sich in dieses Neuland begibt und dort experimentiert [VON CUBE 1994, S.145,]. Will man Wissenschaft so vermitteln, daß der Zuschauer sie freiwillig annimmt (vergleiche Abbildung 2), dann muß man sich auf dessen Erwartungshaltung einlassen, beziehungsweise zu wissen meinen, was er will. Diese Erwartungshaltung wurde bei einem Redakteur einmal erfüllt `Ich habe zwar kein Wort verstanden. Aber ich fand's großartig.' und einmal nicht erfüllt: `Das soll Wissenschaft gewesen sein? Ich hab' ja jedes Wort verstanden.' Zwischen diesen beiden Polaritäten dieser Realsatire pendelten auch die beiden Pioniere des populären Wissenschaftsjournalismusses: Professor Heinz Haber (ZDF) und Rüdiger Proske (NDR).
| Professor Heinz Haber | "Wissenschaft ist so schrecklich einfach, daß ich sie sogar verstehe." |
| R"udiger Proske | "Wissenschaft ist so unsäglich kompliziert, daß nicht einmal ich sie verstehe." |
| Joachim Bublath | "Wissenschaft muß überhaupt nicht verstanden werden." |
Professor Heinz Haber stand und steht immer noch für den Fortschrittsglauben der sechziger Jahre [Stern39 1996, S.106,]. Kein Wissenschaftliches Ergebnis wurde angezweifelt, erst recht nicht die Kompetenz des Professors, welcher als das des Sinnbild des umfassenden Wissens Rede und Antwort zu allen Fragen stand. Wissenschaft war für ihn natürlich die Naturwissenschaft mit ihren Rätseln und Phänomenen, die von den Mitgliedern seiner Zunft dieses Jahrhundert entmystifiziert wurden. So sah er sich als Aufklärer im Sinne der Naturwissenschaften und kanzelte im gleichen Atemzug die Geisteswissenschaftler als Phrasendrescher ab. Spätestens seit dem `Sputnik-Schock' stellte aber niemand mehr diesen Journalismus in Frage, da der technologische Vorsprung der damaligen Sowjetunion wieder aufgeholt werden mußte. Dazu mußte Bildung für alle her - aber natürlich ohne kritisches Hinterfragen.
Nun sind Studenten, die so etwas vorschlagen [Nutzung der Erd-wär-me], meist Soziologen oder Politologen. Würden Sie sich mit Geologie beschäftigen, hätten sie die Einwände gegen diese einfache Lösung längst selbst gefunden [HABER 1978, S.65,].Es läßt sich darüber philosophieren, ob er die Zuschauer/Leser für so dumm hält oder ob er den Realitätsbezug leicht verloren hat (in dem Buch ist die einzige und unzählige male verwendete Referenz die NASA). Es wäre aber falsch, nur die naive Fortschrittsgläubigkeit anzuprangern. Seine didaktischen Fähigkeiten waren sehr gut. Er gab sich Mühe, naturwissenschaftliche Zusammenhänge anhand von griffigen Analogien aus dem Erfahrungsbereich des Zuschauers zu erklären. So demonstrierte er schon damals die Kettenreaktionen in einem Reaktor anhand von hunderten von sich gegenseitig auslösenden Mausefallen. Nachfolgenden Generationen von Fernsehjournalisten ist da auch nichts besseres eingefallen.Der Name ``Laser'' gehört zu der jüngst modern gewordenen Wortstenographie. Bestimmt kennen Sie die Bezeichnung ``NASA'' für die amerikanische Weltraumbehörde. Dieses Wort ist eine Abkürzung von ``National Aeronautics and Space Administration'' [HABER 1978, S.82,].
Auch wenn die Berichterstattung nicht zur Kritik einlud, so sorgte sie doch für eine entsprechende Kompetenz seitens des Zuschauers. Aus diesem Grunde lieferte Prof. Haber einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Allgemeinbildung, da er - vielleicht auch nicht absichtlich - jedem Bürger erst einmal das Recht und die Möglichkeit zugestand, sich zu wissenschaftlichen Themen zu äußern.
Rüdiger Proske stand für den Gegenpol in der Berichterstattung. Er war davon überzeugt, daß die heutige Welt so kompliziert ist, daß sie niemand vollständig erklären kann - wenn überhaupt, dann nur Wissenschaftler. Er selbst verstand sich nicht als Wissenschaftler. Vielmehr vermittelte er durch die Produktion von komplexen Sendebeiträgen seine Sicht dieser unsäglich komplexen Welt. Die schwere Verständlichkeit seiner Sendungen war bei ihm keine böse Absicht oder eine Profilierungsneurose, sondern seine Sicht der Welt: Wir leben in einer solch komplexen Welt, daß niemand sie mehr verstehen kann [PROSKE 1983, S.14,].
Während Haber praktisch ein reiner Naturwissenschaftler war und dessen Themen dementsprechend ausgwählt waren, war Proske auch Gesellschaftswissenschaftler. Allgemeinbildung war für ihn nicht unbedingt das Wissen über die Quantisierung des Wasserstoffatoms [HABER 1971, S.59,], sondern eher dasjenige, welches eine `historische und kulturelle Identität' in der Gesellschaft herstellt [PROSKE 1983, S.15,]. Dadurch daß der technische Fortschritt so schnell voranschreitet, lohnt es sich gar nicht, technisches oder naturwissenschaftliches Wissen zu vermitteln, da es im Moment der Vermittlung schon veraltet oder nicht mehr relevant für den Lernenden ist. Deswegen plädiert er für gesellschaftliches Wissen, welches eine Gesellschaft zusammenhält. Wenn er sich aber dafür ausspricht, daß technisches und naturwissenschaftliches Wissen nicht zum Allgemeingut gehört, legitimiert er gleichzeitig Experten. Nur diese sind natürlich in der Lage, die sich immer schneller ändernde komplexe Welt zu erklären.
So ist sein Verständnis über das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft das des wissenschaftlichen Gutachtens. Nicht der Bürger kann entscheiden, ob z.B. ein Kernkraftwerk gebaut werden soll, sondern der Experte schreibt ein Gutachten. Der Bürger nimmt nicht an wissenschaftlichen Entscheidungsprozessen teil. Da nur der Wissenschaftler überhaupt versteht, was er anrichtet, kann er sich auch nur selbst kontrollieren [VON CUBE 1994, S.145,].
Der dritte Prototyp des Fernsehjournaslisten ist eng mit einer Sendeform verknüpft, die vor allem das visuelle Element in den Vordergrund stellt und damit auch an das Fernsehen sehr gut angepaßt ist: die Show [DöHN 1979, S.204,].
Noch Ende des 19.Jahrhunderts war es kein Problem, Naturwissenschaften in das öffentliche kulturelle Leben zu integrieren. Auch gehörte es zur naturwissenschaftlichen Tradition, Experimente vor Publikum zu präsentieren und es damit zu verblüffen und zu unterhalten. Faraday, Franklin und viele andere berühmte Wissenschaftler waren für ihre volkstümlichen Vorstellungen bekannt, in denen sie in Zirkusmanier die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse demonstrieren. Die Resonanz auf diese Kunststücke war groß und die Stimmung mit der eines heutigen `Open-air'-Konzertes zu vergleichen [BUBLATH 1987, S.11,].Der Journalist, der diesen alten Zeiten nachtrauert, ist Joachim Bublath. Aus diesem Grunde schuf er eine Wissenschaftsshow, die er `Knoff-Hoff-Show' nannte, wobei der Name der Show gerade nicht Programm ist, sondern sich an den Vorführungen Faradays orientiert. Die primäre Intention der Sendung war nicht Wissen zu vermitteln, sondern vor allem unterhaltsame Kunststücke vorzuführen. Zauberer werden auch nicht gefragt, wie der Trick des Kunsttückes nun funktioniert. Physik wird in den `Knoff-Hoff-Shows' als Zirkus dargestellt. Der Zuschauer soll unterhalten werden. Ihm soll es egal sein, warum und wie etwas funktioniert, sondern der optische Effekt ist wichtig. Die Kritiker werfen ihm Schamanen-Physik vor [VON CUBE 1994, S.149,]. So widerspricht diese Sendeform dem Bemühen der Wissenschaft um Objketivität. Indem sie Wissenschaft mit einem Zirkus vergleicht, stellt sie den wissenschaftlichen Diskurs in Frage. Wissenschaft als eine kulturelle Errungenschaft der Gesellschaft wird also nicht mehr als Lieferant von relevanten Themen gesehen, sondern als Gagmaschinerie der Unterhaltungssendungen [VON CUBE 1994, S.149,].
Gerade die informellen Bildungsangebote haben eine für das Medium Fernsehen typische Entwicklung vollzogen, indem sie sich auf das Medium angepaßt haben. Zum einen kann das die vielfältige Wahl von verschiedenen Sendeformen innerhalb einer Sendung sein, so wie es bei heutigen Wissenschaftssendungen der Fall ist (`Quarks & Co' oder `Archimedes'). Zum anderen eignen sich die sehr Fernsehtypischen Sendeformen Show und Quiz, Wissenschaft zu präsentieren. Sei es, daß der Schwerpunkt bei der Unterhaltung oder bei der Wissensvermittlung liegt.
Die Frage stellt sich, was überhaupt in solchen Sendungen vermittelt werden kann, bzw. was aus der Welt der Wissenschaft sich für die Sendeformen Quiz und Show eignet. Es zeigt sich, daß praktisch alle `Kunsttücke' der `Knoff-Hoff-Show' aus dem Bereich der Physik stammen. Aber auch die Fragen der Quiz-Sendung `Kopf um Kopf' stammten aus Teilen der Naturwissenschaften:
Die Fragen stammten zumeist aus den Bereichen Physik, Mathematik und Technik, wo - anders als etwa im Bereich der Chemie - der Gewinn neuer Erkenntnisse nicht unabdingbar an ein erhebliches Vorwissen gebunden ist, sondern der phänomenologisch gesteuerte `Geistesblitz' auch dem Laien noch eine gewisse Chance einräumt [VON CUBE 1994, S.148,].Die Wahl der physikalischen Themen hat aber größtenteils nichts mit der modernen Naturwissenschaft zu tun. Auch Newton wußte schon, warum sich hartgekochte Eier anders bei Rotation verhalten als welche, die frisch von der Henne kamen [BUBLATH 1987, S.15,]. Haber hat noch in den siebzigern versucht, dem Zuschauer die Quantenmechanik anschaulich beizubringen. Heutzutage würde sich die Erläuterung eines solch komplexen Sachverhaltes auf Grund der Sendeformen verbieten. So beschäftigt sich dann `Quarks und Co' lieber mit ganz menschlichen Themen - wie z.B. Parasitenbefall - als mit Grafiken und sprechenden Köpfen um dem Zuschauer abstrakte unanschauliche Welten darzulegen.
Zum Schluß dieses Abschnittes ein kurzer Blick auf die Entwicklung
des Kinderfernsehens. Diesen Bereich der Fernsehbildung kann man auch
mit den informellen Bildungsangeboten identifizieren. Bereits im Jahre
1958 waren 72% der Informationssendungen für Kinder fiktive
Erzählungen [SCHMIDBAUER 1988]. Die `Sendung mit der Maus' war
auch durch ihre Form der Vermittlung (Zeichentrick kombiniert mit
Reportagen) eine informelle Bildungssendung und ist es noch heute. Das
sagt auch der Macher der Sendung Gert Müntefering
[SAUM-ALDEHOFF 1996, S.52,]. Trotzdem ist die Intention der Sendung die
jungen Zuschauer zu bilden. Welchen Nutzen aber der einzelne
Zuschauer aus der Sendung zieht, ist gerade bei Zuschauern dieses
Alters nur schwer planen, da diese sich in ihrer Gedankenwelt von der
der Erwachsenen unterscheiden, die das Programm machen. So sind
Effekte bei Kindersendungen schwer feststellbar. Aber Einschaltquoten
von über 1 Million bei der Sendung mit der Maus legen eine Wirkung
nahe. Gerade in der Vergangenheit unterschied sich das Sehverhalten
der Kinder nicht gravierend von dem der Erwachsenen. Das lag vor
allem daran, daß nur ein Fernseher in der Wohnung vorhanden war und
sich alle Familienmitglieder einigen mußten, was gesehen werden
sollte. Heutzutage steht in jedem Kinderzimmer ein Fernseher, so daß
die Kinder sich ihre Favoriten herauspicken. Und das sind - wie bei
den Erwachsenen - in erster Linie nicht die Bildungsprogramme,
sondern die Spielfilme und rein unterhaltenden Sendungen. Kinder
schauen auch zur `prime-time' Fernsehen und dort vor allem die
Programme, die für Erwachsene konzipiert sind. Wenn sie sich
Kinderprogramme ansehen, dann diejenigen, die man nicht zu
Bildungsprogrammen zählen kann - nämlich vor allem die der Privaten.