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Zusammenfassung

  Betrachtet man die Bildungsangebote der Fernsehprogramme, so muß man primär zwischen informellen und formellen Bildungsangeboten unterscheiden. Während sich die formellen Bildungsanfebote vor allem in den dritten Programmen der öffentlich rechtlichen wiederfinden, gibt es die informellen Bildungsangebote überall.

Die formellen Bildungsangebote im Fernsehen entsprechen der Situation Lehrer-Schüler in der Schule. Diese Angebote sind Lernzielorientiert und somit ist der Erfolg direkt nachprüfbar. Diese Sendungen der formellen Bildung finden sich seit eh und je in den dritten Fernsehprogrammen. Das ist nicht verwunderlich, da diese Programme primär für die formelle Bildung eingerichtet wurden. Von Anfang an wird die formelle Bildung durch inszenatorische Elemente in den Sendungen ergänzt. Diese dienten aber immer dem Ziel: dem Lernerfolg. Diese inszenatirischen Elemente waren aber auch die Geburtsstunde und Ideenlieferant der informellen Sendungen, welche nur noch Wissen anboten und einen Lernerfolg nicht explizit anstrebten. Damit paßte man die Sendeform an die typische Zeit der Rezeption solch einer Sendung an, nämlich an die der Freizeit. Da alles in der Freizeit freiwillig rezipiert wird, muß die Sendeform das Thema dem Zuschauer schmackhaft machen. Das führte dann zu einem neuen Typus Journalist, dem Wissenschaftsjournalist. Waren die ersten ihrer Zunft noch sprechende Köpfe (Haber, Proske), so arbeiteten (und arbeiten) die Nachfolger mit den Möglichkeiten und Sendeformen des Mediums. Zum einen ist dabei - je nach Informationswert - das Wissenschftsquiz und die Show entstanden. Innerhalb dieser beiden Fernsehtypischen Formen kann man auch Wissen transportieren. Und sei es nur, daß man weiß, daß man nichts wissen muß. Zum anderen gibt es Wissenschaftssendungen, die unterschiedliche Sendeformen mischen und so die Vielfalt des Mediums ausnutzen. Auf jeden Fall sind Sendeformen entstanden, die auf das Medium Fernsehen zugeschnitten sind.

Es stellt sich die Frage, was überhaupt in einer Wissenschaftsshow vermittelbar ist. Da die Themen unterhaltend oder für den Zuschauer von persönlichem Interesse sein müssen, ist die Menge der vermittelbaren wissenschaftlichen Themen eingeschränkt. Man kann sich dann entweder auf Kunststücke (Bublath) beschränken, indem man den Effekt in den Vordergrund stellt und den physikalischen Hintergrund vernachlässigt. Oder man beschäftigt sich mit Fragen des Alltags, die jeden betreffen. Diese Fragen oder Probleme lassen sich im Fernsehen nur gut thematisieren, wenn sie visualisierbar sind oder noch besser: wenn das Problem Gegenständlich ist. Somit ist das Fernsehen für abstrakte Probleme nicht gut geeignet, da es wieder zu den `sprechenden Köpfen' führen würde. Die heutige Wissenschaft behandelt aber praktisch immer abstrakte und schlecht visualisierbare Probleme. So ist das Fernsehen wahrscheinlich einfach auf Grund seiner visuellen Ausrichtung das falsche Medium.

Es stellt sich auch die Frage, ob überhaupt Unterricht mit Hilfe des Gerätes Fernsehen sinnvoll ist. Gerade die Erfahrungen der Volkshochschulen zeigten ja, daß entscheidend für den Lernerfolg beim Telekolleg die Teilnahme am Begleitzirkel ist. Der direkte persönliche Kontakt war und ist immer noch wertvoller als der Kontakt mit dem Fernseher. Mit dieser Erkenntnis hat sich das Telekolleg praktisch selbst abgeschafft.

Im weiteren Sinne des Begriffes Bildung kann das Fernsehen aber sehr wohl etwas zur (Allgemein-)Bildung beitragen. Betrachtet man den Fernseher als Lieferant von Sinn und Themen, so ist er schlichtweg Bestandteil unserer Kultur. Er erzieht, weil er da ist. Gerade weil das Fernsehen eigene Sendeformen entwickelt hat, kann es bestimmte Themen oder Trends gut transportieren. Leben heißt lernen. Und der Fernseher gehört heutzutage zum täglichen Leben dazu.

Zusammenfassend kann man sagen, daß sich das Fernsehen heutzutage mit Hilfe von verschiedensten an das Medium angepaßten Sendeformen an der Publikum wendet, um seinen gesetzlichen Bildungsauftrag zu erfüllen.



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Bernd Porr
Sun Mar 9 15:01:24 WET 1997