Dieser Begriff kann - analog zur Definition der Kultur - entweder sehr eng oder sehr allgemein gefaßt werden. Zum einen funktioniert Bildung sobald man das Licht der Welt erblickt [WEIß 1992, S.736,]. Sobald die Mutter das Baby in die Arme schließt, beginnt die Sozialisation, so daß man sagen kann: `Leben heißt lernen.'. Diese Behauptung trifft bestimmt zu. So sind wir doch selbst-organisierende Lebewesen, die erst nach der Geburt anfangen, ihr Gehirn auf Grund von Umweltreizen voll zu entwickeln. Die Inhalte, die gelernt werden, sind wohl vor allem der Massen- und Poppulärkultur zuzurechnen. Es ist wohl eher die Ausnahme, daß sich ein Kind mit einem Klassiker der Weltliteratur beschäftigt, wenn doch die `Power-Rangers' so leicht zu verstehen sind (bzw. die Regeln von gut und böse).
Es gibt aber noch eine andere kulturelle Einrichtung, die selbst eine Errungenschaft moderner Gesellschaften ist: die Schule. Sie steht für die institutionalisierte Sozialisation in unserer Gesellschaft [WEIß 1992, S.736,]. Während nun die Sozialisation im Elternhaus und im Sandkasten vor allem ungesteuert funktioniert, gibt es in der Schule Lernziele. Um diese zu erreichen, wird das Kind von diesem System aus Lehrern und Regeln (der Bestrafung und Belohnung) eine Zeitlang absorbiert. Nach einiger Zeit intensiver struktureller Kopplung wird dann das Kind in die Gesellschaft entlassen. Bis dahin müssen überprüfbare Veränderungen beim Kind geschehen sein. Diese sollten im Idealfall mit dem Lernziel übereinstimmen. Die Ziele stammen vor allem aus der Domäne der Hochkultur. Es bedarf in der Regel überwindung oder Anstrenung, sich dieses kulturelle Gut anzueignen. Die schönen Künste sind eben erst dann schön, wenn man den Hintergrund von ihnen gelernt hat.
Diese beiden Polaritäten zeigen, daß es schwierig ist, das System
`Bildung' abzugrenzen. Zumindest kann man sich die
Selbstbeschreibung des Systems Bildung ansehen und schauen, wo die
Grenzen verlaufen. Dabei wird man natürlich oftmals wieder bei den
Institutionen landen, die von sich sehr präzise Selbstbeschreibungen
(z.B. Lehrpläne) anfertigen. Das Problem ist, daß das Bildungssystem
kein symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium besitzt
[LUHMANN 1987, S.628,] und damit keinen binären Code. Das System
selbst besitzt zwar intern den binären Code, der Erfolg oder
Scheitern differenziert. Aber die Systemgrenzen lassen sich eben nicht
einfach mit Bildung / keine Bildung abstecken, da man ja immer und zu
jeder Zeit lernt. Zumindest ist klar, daß Bildung zu erfolgreicher
Kommunikation und damit einhergehend zum Aufbau eines Sinnhorizontes
führen sollte, der einem erlaubt in dieser Gesellschaft
schlimmstenfalls zu überleben. Das Ziel von Bildung ist heutzutage
freilich höhergesteckt. Es befähigt eher, über in die Gesellschaft
eingeführte Themen zu kommunizieren und manche von ihnen zum
persönlichen und gesellschaftlichen Vorteil zu nutzen. Das
Bildungsystem ist auch deswegen etwas anders als andere Systeme, da es
gezwungen ist, für einen begrenzten Zeitraum Personen (normalerweise
Schulkinder) aufzunehmen, die in die Binnendifferenzierung des Systems
Schule überhaupt nicht hineinpassen. Nach einer gewissen Zeit
struktureller Kopplung
, werden die Personen wieder aus dem System entlassen, in dem
sie am Ende idealerweise keine Störfaktoren mehr sind, sondern sich
harmonisch einfügen. Dies ist
als Input-/Outputleistung bekannt
[LUHMANN 1987, S.280f,], die man aber nur bei einer Institution
festmachen kann, da nur dort ein soziales System mit klaren Grenzen
und Zielen seitens der Schüler existiert. Will man Bildung
beurteilen, dann kann man das bei Institutionen immer über die
Input-/Outputleistung. Dabei ist nicht nur Lernstoff sondern auch das
gesamte soziale System der Schule zu betrachten. Betrachtet man
Bildung in allgemeiner Sicht, so muß man beobachten, ob die Person
Kommunkaitionskompetenz
gelernt hat.