Im Zuge der Vermehrung der Rundfunkprogramme in Europa durch die neuen Techniken sollen Informationsvielfalt und kulturelles Angebot im deutschsprachigen Raum verstärkt werden. [...]Das Fernsehen ist mit seinen Bildungsangeboten ein Spiegel der allgemeinen Situation. Zum einen gibt es das `formelle Bildungsangebot', welches der institutionalisierten Wissensvermittlung entspricht. Parallel zum Vorbild - der Schule - gibt es auch hier ein Lernziel, welches auch am Ende einer Sendereihe geprüft wird. Dieses Angebot ist unter der Bezeichnung `Schulfernsehen', `Telekolleg' und `Sprachlehrprogramm' in den Programmzeitschriften zu finden, welche sich dort vor allem traditionell in den Spalten dritten Programmen aufhalten. Diese Angebote sind offensichtlich zur direkten Bildung der Fernsehzuschauer produziert.
Im Sinne dieses Staatsvertrages ist Vollprogramm ein Rundfunkprogramm mit vielfältigen Inhalten, in welchem Information, Bildung, Beratung und Unterhaltung einen wesentlichen Teil des Gesamtprogrammes bilden. [...]
Die Rundfunkvollprogramme sollen zur Darstellung der Vielfalt im deutschsprachigen und europäischen Raum mit einem angemessenen Anteil an Information, Kultur und Bildung beitragen, die Möglichkeit, Spartenprogramme antzubieten, bleibt hiervon unberührt [Rundfunkstaatsvertrag 1991, S.1-12,].
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Betrachtet man diese Sendungen unter dem Aspekt der allgemeinen Bildung, so stellt sich die Frage, ob das System Telekolleg genügend definiert ist, daß es im engeren Sinne institutionalisierte Bildung ermöglicht, beziehungsweise, ob es ausreicht, wenn Menschen vor dem Bildschirm sitzen und sich z.B. Mathematik anschauen. Diese Frage wird weiter unten diskutiert.
Auf der anderen Seite gibt es nun noch andere Formen, die
auch Wissen vermitteln aber zusätzlich unterhalten
wollen - und natürlich mit umgekehrter Priorität. So besitzt selbst
`Geld oder Liebe' einen Informationsanteil, wenn die einzelnen
Kandidaten ihre Berufe oder Hobbys vorstellen dürfen
. Diese Sendungen
werden `informelle' Informationssendungen genannt, welche sich
dadurch auszeichnen, daß die strenge Form des Unterrichts hier nicht
gewahrt wird, sondern zusätzliche Elemente (meistens
Unterhaltungselemente) mit einfließen. Diese Sendungen haben das
Potential von den Zuschauern als Informationssendungen genutzt zu
werden. Sie müssen es aber nicht.
Betrachtet man die Gruppe der Informationssendungen allegemein, so kann diese weiter unterteilt werden. Zum einen gibt es die tagesaktuellen Sendungen, wie die Tagesschau, dessen Informationsintention offen zur Schau getragen wird und (meistens) auch so genutzt wird. Diese Sendeform ist hier nicht Bestandteil der Untersuchung. Der Rest wird durch die nicht tagesaktuellen Sendungen gefüllt. Hier finden sich dann diejenigen, die auch Gegenstand dieser Arbeit sind: Themensendungen, Wissenschaftsshows, ...
Auch hier muß eine Einordnung in den allgemeinen Begriff der Bildung
geschehen. Da die informellen Informationssendungen nur der Kontrolle
der Programmgestalter unterliegen und deren Lernziel immer nur
angeboten wird, ist eine überprüfung anhand von Input-/Output
Leistungen nicht möglich. Dieses Informationsangebot besitzt
ähnliche Qualitäten wie das Stammstischgespräch in der Eckkneipe.
Es kann sehr informativ sein, der Teilnehmer lernt eventuell soziale
Kompetenz aber er muß es nicht. Es prüft auch keiner nach, ob er was
gelernt hat oder nicht - zumindest nicht so offensichtlich. Hier
kann Lernen nur im globalen gesellschaftlichen Kontext gesehen
werden. Dieses Lernen sollte nicht unterschätzt werden. Es ist nur
nicht so gut nachprüfbar und macht den Wirkungsforschern seit den
Anfängen des Fernsehens Kopfzerbrechen
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