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Sektion für Publizistik und
Kommunikationswissenschaft
Ruhr-Universität Bochum

Der Umweltbericht der Firma Hoechst


Hausarbeit im Rahmen des Seminars:


Strategisch kommunizieren


Seminarleiter:


Peter Szyszka


Hausarbeit:


Tanja Maciosek, Peter Ücker, Bernd Porr


Inhalt


Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Die folgende Hausarbeit beschreibt den Umweltbericht der Firma Hoechst. Diesen gibt es in drei Ausprägungen: als Magazin ,,change``, als kleine Broschüre ,,Progress-Report 1996`` und als CD-ROM. Jedes dieser drei Publikationen besitzt einen ganz speziellen Charakter und damit auch eine ganz konkrete Funktion im Gesamtkonzept der PR von Hoechst. Die Struktur dieser Hausarbeit folgt dieser Dreiteilung. Zuerst wird das Magazin ,,change`` besprochen, da es am unspezifischsten anspricht und eher für die Thematik Interesse wecken soll. Der Progress-Report mit seinen ,,harten`` Umwelt-Daten wird im Anschluß vorgestellt. Er ist die neutralste Form. Der Umwelt-Bericht auf CD-ROM steht am Ende der Präsentation, da er eher für die Aktiven in der Umwelt-Bewegung gedacht ist.

Im zweiten Teil finden sich dann persönliche Stellungnahmen der drei AutorInnen dieser Präsentation. Hier spielen auch die Eindrücke beim Besuch der Agentur Koop & Partner und des Besuches der Vertreter von Hoechst und Herberts eine Rolle. Auch die Diskussion im Seminar und die retrospektive Durchsicht des Seminarordners lieferten etliche Anregungen für die Stellungnahmen.

Um zu vermeiden, daß sich in einer abschließenden, gemeinsamen Beurteilung über den behandelten Umweltbericht Überschneidungen mit den verfaßten Stellungnahmen ergeben, wird darauf verzichtet. Analysierende Kommentare zu den herausgefundenen Fakten ergeben sich bereits in den Punkten ,,Gesamteindruck`` der einzelnen Kapitel und in den persönlichen Stellungnahmen der AutorInnen.

Vorstellung des modularen Konzeptes von Hoechst

Change-Umweltmagazin  

Form

Das Umweltmagazin CHANGE besitzt ein DIN A 4 Format. Der Name Hoechst taucht rechts oben in der Rahmenleiste in Verbindung mit dem Begriff Umweltmagazin auf. Der Titel CHANGE prangt mittig auf dem Frontcover in Kleinschrift und wird mit dem Untertitel ,,Standorte: Chemie zwischen Nachbarn`` in weißer Schrift übergedruckt. Einige Themenbereiche, die in dem Magazin behandelt werden, sind vertikal angeordnet am rechten unteren Coverrand aufgeführt. Auffallend dabei ist die explizite Hervorhebung des Dossierthemas im Druck -- deutlich größer -- im Schriftstil und in der Farbe. Die letzte Seite gibt das Frontcover in verblaßten Farben und Spiegelverkehrt wieder.

Text
Die Texte sind bei den meisten Artikeln 3-spaltig angeordnet. Der Seitenrand ist in der Regel gleichbleibend, entweder durch einen unsichtbaren Balken, oder durch Fotografien am unteren oder oberen Bildrand begrenzt. Charakteristisch für das Hoechst-Magazin sind die Überschriften. Sie vermitteln keinerlei Kontinuität und weisen recht dominant und unkonventionell auf die Besonderheiten des Artikels hin. Die Ausnahme bildet das Dossier im Magazininnenteil. Hier wird anderes Papier (PlanoPlus, chlorfrei gebleicht), als für das restliche Magazin verwendet. Die Seiten des Dossiers sind durchweg in einem rot-braunen Farbton gehalten und vermitteln den Eindruck eines eigenen Magazins im Magazin. Die Artikel sind zweispaltig angeordnet. Das Editorial ist durchgängig ohne Zeilenumbruch geschrieben. Die Sätze im Editorial sind kurz und prägnant -- ohne dabei von Absätzen auseinandergerissen zu werden.
Text/Bildverhältnis
Bis auf einige, wenige Seiten ist das Magazin durchgehend mit Fotos durchsetzt. Sie spielen bei der Umsetzung des Magazincharakters eine entscheidende Rolle und haben im Grunde mit dem, was textlich vermittelt werden soll nur am Rande zu tun. In einigen Teilen des Magazins erscheint ein ganzseitiges Foto, daß bis auf eine kurze Erläuterung des gezeigten gänzlich auf Text verzichtet.

Grafiken
Vergleicht man die Anzahl der Grafiken zu der Anzahl der Fotografien, so läßt sich unschwer erkennen, daß Fotos eindeutig einen Schwerpunkt in diesem Magazin bilden. Klassische Grafiken befinden sich auf den Seiten 21 - 22 in Form von Balkendiagrammen. Andere, computeranimierte Grafiken besitzen fast schon einen realen Bezug (siehe Seite 60 bis 69, Artikel: Chemisches Geflüster).

Bilder
Die Bilder sind jeweils an die Artikel angepaßt. Sie erscheinen zum Teil in überzogenen Farben (Seite 8 - 9) oder im Dokumentationscharakter des klassischen schwarz - weiß Bildes (Seiten 24 - 27). In der Regel sollen die Bilder einen ganz bestimmten Ausschnitt darstellen, eine Art fotografisches Soziogramm der Menschen die in fernen Ländern mehr oder weniger mit Chemie zu tun haben.

Wirkung
Vergleicht man nun die oben angesprochenen Aspekte so läßt sich nach einiger Zeit nicht mehr klar definieren, welcher Art das Magazin ist das man vor sich hat. Das Zusammenspiel von Textdarstellung, Grafik und vor allem Fotos, dazu wenig oder keine Leerflächen lassen den Eindruck entstehen eher ein Jugendmagazin anstatt ein Umweltmagazin in den Händen zu halten. Das Magazin versucht, im Grunde chemietypische Themenbereiche in Form von populärwissenschaftlichen Themen zu transportieren. Bis auf die Rubrik ,,Dossier`` gibt es keine, auf den ersten Blick konkrete Merkmale, die daraus schließen lassen könnten, ein Umweltmagazin des Hoechst-Konzerns in den Händen zu halten.

Inhalt

Neben dem einführenden Editorial verteilen sich sechzehn Artikel bzw. Themenbereiche auf 98 Seiten. Ein Schwerpunkt liegt dabei im Thema ,,Stadt und Chemie``, daß als Dossier im Magazin eine besondere Stellung besitzt und auch im Inhaltsverzeichnis sofort als rotgedruckte, eigene Rubrik auftaucht. Die Fotos neben dem Inhaltsverzeichnis bestärken noch einmal die verschiedenen Themenbereiche. Auffallend ist der Faltkalender der Hoechst- Umweltgeschichte am Ende des Magazins, auf dessen Rückseite sich wiederum ein großformatiges Foto befindet.

Sprache
Im Editorial ist die Sprache sehr einfach. Die Sätze sind auffallend kurz, es wird auf Fremdwörter und Zahlen (ausgenommen die Jahreszahl) verzichtet. Der Leser findet im Editorial keinerlei Hinweis auf die Bedeutung und Größe des Unternehmens Hoechst als Chemiekonzern. Beim Lesen der Artikel entsteht der Eindruck, daß es sich um ein Wissenschaftsmagazin handelt und nicht so sehr um ein Umweltmagazin. Die Texte sollen vermitteln. Das Einsetzen von Fremdwörtern unterstellt dem Leser aber schon eine gewisse Grundbildung. Die wissenschaftlich-journalistische Sprache läßt sich aber nicht durchgehend im gesamten Magazin verfolgen.
Was wird vermittelt?
Hoechst präsentiert sich mit CHANGE von seiner offensten Seite. Man hat den Eindruck, daß man mit Kritik nur offene Türen einrennt. Beziehungsweise: Kritik von außen ist gar nicht erforderlich, da Hoechst mit sich selbst kritisch ins Gericht geht und Umweltprobleme selbst aus der Welt schafft: sei es nun die mehrfache Thematisierung des Störfalles Griesheim in diversen Artikeln oder die freiwillige Teilnahme an Umweltprüfungen (Öko-Audit). Eine Liste von umweltrelevanten Initiativen treibt diese Offenheit schon fast zu weit und grenzt beinahe an Selbstgeißelung.

Hoechst versucht sich als ganz normalen Betrieb darzustellen, bei dem auch Fehler auftreten. Das Gefahrenpotential entspricht dem anderer Industriezweige -- nur die Medien sind daran Schuld, daß dieses als zu hoch eingeschätzt wird. Die wahren (Umwelt/Öko-)Experten sind die Anwohner der Chemiebetriebe. Diese schätzen die Gefahren realistisch ein. Der übrige Teil hat eine verzerrte Sicht auf die Chemie-Werke. Vermittelt wird also das Bild zu unrecht abgestraften Konzerns in der Öffentlichkeit: ein Opfer des deutschen Technikpessimismus kombiniert mit einer unfairen Berichterstattung.

Wenn dann mal wirklich Schmutz in der Luft liegt -- sei es nun Chemischer oder Geistiger -- dann liegt das daran, daß die Anderen doch viel schlimmer sind. In Bangkok ist es der Straßenverkehr und in Frankfurt das Kinderfernsehen mit seiner Gewaltverherrlichung. Alles ist relativ. Und somit Verschmutzung auch.

Vermittelt wird der Eindruck, daß Chemie schön, gut und nützlich ist, dabei obendrein noch Arbeitsplätze schafft. Daß das Bild der Chemie in Deutschland sehr negativ ist, führt Hoechst auf eine verzerrende Presse zurück. Und außerdem: sündigen wir nicht alle?


 
Abbildung: Einordnung der Artikel des Magazins ,,change`` in den Kontext: sachlich -- menschlich 
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Abbildung: Bezug der Artikel des Magazins ,,change`` zum Umweltschutz 
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Gesamteindruck

Beim Betrachten des Umweltmagazins CHANGE kann der Eindruck entstehen, nicht ein Produkt eines Chemiekonzerns vor Augen zu haben, sondern ein neues Magazin aus dem populärwissenschaftlichen Bereich mit sehr aufwendigem Layout und professionellen Fotos. Die Reportagen sind populär, können locker runtergelesen werden und sind magazintypisch auf Personen fixiert (siehe Abb. 1). Der konkrete Bezug zum Umweltschutz geht dabei schon einmal verloren (siehe Abb. 2), was durchaus beabsichtigt ist. So wird die Umweltproblematik in einen größeren Kontext eingeordnet, welcher diese Problematik relativiert.

Man kann dieses Magazin nur sympathisch finden. Genauso wie man einer lächelnden Person ungern etwas unangenehmes sagt, genauso hält man sich mit der Kritik an diesem Magazin zurück. Die Form und auch die Sprache erzeugen ein angenehmes Gefühl beim Leser, der dann ungern etwas Böses unterstellt. Beim Lesen des Magazins beschäftigt man sich mehr mit den Problemen der beschriebenen Personen als mit der Problematik der industriellen Chemieproduktion. Selbst wenn mal diese Problematik zur Sprache kommt, dann fühlt man sich nicht subtil beeinflußt, sondern gut informiert -- oder zum Denken angeregt. Die Funktion eines solchen Magazins ist somit eher im Bereich der Imagepflege zu suchen. Die harten Umweltdaten werden an anderer Stelle publiziert.

Die Form dieses Magazins legt auch in gewisser Weise die Zielgruppe fest: wenn ein solches Magazin den auf dem Markt befindlichen Magazinen so ähnlich sieht, dann sollte man sich deren Zielgruppe anschauen. Diese ist offensichtlich sehr diffus und breit gefächert. Für eine Imagekampagne ist das der richtige Ansatz. Für die Interessierten unter den Lesern gibt es gesonderte Publikationen: Umwelt-Daten des Hoechst-Konzerns erhält man gesondert in einem Begleitheft (,,Progress-Report``, siehe Abschnitt 1.2) und noch präziser auf einer CD ROM (siehe Abschnitt 1.3). Auf beide Informationsträger wird im Innenteil des Magazins hingewiesen.

,,Progress Report 1996`` - Umwelt, Sicherheit, Gesundheit  

Der Progress Report 1996 als Printmedium, faßt in Kurzform die wichtigsten Ergebnisse zusammen, die der Hoechst-Konzern von seinen Standorten weltweit abgefordert hat, um einheitliche Aussagen in den Bereichen Umweltschutz, Arbeits-, Anlagen- und Transportsicherheit, Arbeitsmedizin, Gesundheitsvorsorge und Kommunikation zu erhalten.

Auf den Daten von den über 100 Produktionsstätten, die sich an dem Projekt beteiligt haben (nach Angaben des Projektleiters Ludwig Schönefeld entspricht dies etwa 90 % des Gesamtkonzerns) basiert die Hochrechnung für den Hoechst-Konzern.

Im weiteren wird der Untersuchungsgegenstand ,,Progress Report 1996`` in Printform nach für uns relevanten Kriterien untersucht.

Form

Der Progress Report (Printform) besitzt im Vergleich zu anderen Umweltberichten und vergleichbaren Unternehmenspublikationen ein außergewöhnlich kleines Format (es umfaßt nur ein Drittel einer DIN A 4 Seite) und hat 47 Seiten. Der äußere Eindruck läßt nicht sofort auf einen Umweltbericht schließen. Das S/W-Foto auf dem Cover läßt ebenfalls keine unmittelbare Assoziation zu einem Umweltbericht zu, denn dargestellt sind drei arbeitende bzw. forschende Personen, die nicht unmittelbar mit dem Hoechst-Konzern oder dem Thema Umwelt in Verbindung gebracht werden können, da man keine Hinweise auf ein Produkt oder Logo von Hoechst oder eine direkte Verbindung zur Natur (Baum o.ä.) findet.

Das Corporate Design ist rechts unten auf der Coverseite in Form des blauen Hoechst - Logos abgedruckt.( Das gleiche Cover befindet sich auch auf der CD-ROM. Vermutlich formatbedingt ist das Foto auf der CD-ROM linksseitig durch einen Colorbildausschnitt einer Röhrenanlage ergänzt.)

Im Innenteil findet man zunächst ein übersichtliches kurzes Inhaltsverzeichnis. Nach einem Vorwort, das in größeren Typen als der gesamte andere Teil des Umweltberichtes gedruckt ist - sich sonst aber im Layout dem übrigen Teil anpaßt (gleicher Rand, die gleichen Farben), folgen die verschiedenen Kapitel des Umweltberichtes. Deren Layout ist durchgehend einheitlich: alle Kapitelüberschriften sowie die Überschriften der Unterpunkte und im ersten Kapitel auch die (die Unternehmensbereiche benennenden) Bildüberschriften am Rand sind in roter Farbe geschrieben, was zu einer übersichtlichen Unterteilung der Texte führt. Kleinere Tabellen befinden sich ebenfalls in der Textspalte, während die Grafiken immer am Rand abgedruckt sind. Die Fotos sind größtenteils sehr klein und in unterschiedlicher Größe im Umweltbericht verteilt.

Text
Die Texte zu den einzelnen Kapitel sind jeweils in Unterpunkte unterteilt und schon deshalb nie sehr lang. Desweiteren werden längere Textpassagen durch Grafiken oder einen Seitenumbruch getrennt und erscheinen dadurch 'optisch kürzer'. Der Leser hat so immer den Eindruck nicht soviel lesen zu müssen.
Text / Bildverhältnis
Das größte Foto entspricht einer halben Seite des Progress Reports, und da nie mehr als zwei Fotos pro Doppelseite abgedruckt werden, sind die Bilder nicht dominant. Auch die Textseiten stehen dazu in einem klaren Verhältnis, denn es gibt maximal drei aufeinander folgenden Seiten ohne Foto - spätestens auf der nächsten Doppelseite ist dann wieder ein Bild zu finden. Somit sind Text und Bild harmonisch aufeinander abgestimmt.
Grafik
Die Grafiken, die sich am Textrand befinden und dort durch eine kurze Überschrift erklärt werden sind schlicht in Pastellfarben gehalten und dominieren nicht die Seite. Sie verstärken die im Text gemachte Aussage und zeigen eine Entwicklung in einem bestimmten Zeitraum, einen Vergleich zwischen verschiedenen Kontinenten oder anderen Faktoren.
Bilder
Die Fotos zeigen überwiegend reine Industrieanlagen (auf die sonst obligatorische ,,natürliche`` Umgebung wird bis auf eine Ausnahme verzichtet) - die auch benannt werden und den Standort wiedergeben - oder arbeitende/ forschende Mitarbeiter . Im Gegensatz zum Cover werden im Innenteil durchgehend Farbfotos verwendet.
Wirkung
Bei der Gestaltung des Progress Reports ist bewußt auf vieles verzichtet worden, was sonst typisch für Umweltberichte ist, wie z.B. Farbfotos von 'Flora und Fauna' ohne Bezug zum Produkt, Fotos des Produkts in der Natur oder den Text dominierende, ausführliche Statistiken oder große, bunte Grafiken. Obwohl er eher 'unscheinbar' wirkt, ist er durch die einheitliche Gestaltung sehr übersichtlich.

Inhalt

Das Inhaltsverzeichnis des Progress Reports ist in 13 Bereiche unterteilt. Zehn Themenfelder besitzen einen konkreten Umweltbezug

Desweiteren gibt es noch die Felder:

Aus dem von Dr. Ernst Schadow geschriebenen Vorwort geht hervor, wie die im Progress Report entstandenen Daten gefunden wurden. Welche Funktion Dr. Ernst Schadow im Hoechst Konzern hat ist aus dem Vorwort nicht ersichtlich und auch nicht aus dem Impressum heraus erkennbar.

Im Hauptteil des Progress Reports ist eine stringente Linie zu erkennen, die sich wie folgt charakterisiert. Zum jeweiligen Thema (Bsp.: Energien, siehe Tab. 1) werden zunächst Informationen über den gesamten Hoechst-Konzern geliefert, dann über Hoechst in Deutschland. Zu einigen Themen gibt es den Unterpunkt Fortschritte, durchgehend bei allen Themen den Unterpunkt Ziele.


 
Tabelle 1: Beispiel Energien 
Überschrift: Energien (vgl. hierzu Seite 14 und 15 Progress Report)
Thema: Energiebedarf im Hoechst Konzern
Thema: Energiebedarf in Deutschland
Unterpunkt: Fortschritte (nicht bei allen Themenbereichen)
Unterpunkt: Ziele (bei allen Themenbereichen)


Sämtliche Punkte die man negativ mit einem Chemieunternehmen verbindet werden aufgegriffen, zum Beispiel : Betriebsstörungen, Betriebsunfälle, Sicherheit bei Gefahrguttransporten.

Kritische Punkte und unangenehme Vorfälle werden genannt, in den Unterpunkten Fortschritte oder Ziele aber relativiert.

Sprache
Die Texte sind allgemeinverständlich geschrieben und ohne das hinzuziehen der Grafiken, Tabellen oder Fotos schlüssig. Unerklärte Fachbegriffe werden vermieden (diese, wie auch Produktionsvorgänge,etc., werden ausführlich im Glossar der CD-ROM erläutert). Auf Kunstworte und Datenflut (ausführliche Daten befinden sich auf der CD-ROM) wird verzichtet.
Was wird vermittelt?
Der Progress Report vermittelt grundlegende umweltrelevante Informationen des Hoechst Konzern International im Vergleich zu Fakten des Hoechst Konzern Deutschland. In allen Bereichen werden für die Umwelt positive Aktivitäten überwiegend glaubhaft als Fortschritte oder Ziele genannt, so das kaum Reibungspunkte auftreten.

Gesamteindruck

Inhaltlich reichen die gegebenen Informationen aus, um auch einem Laien einen Eindruck über die Umweltschutzaktivitäten des Hoechst Konzerns zu geben. Es wird der Gesamteindruck vermittelt, daß Hoechst seinen Umweltbericht nicht als Rechtfertigung der Öffentlichkeit zugänglich macht, sondern die geleisteten und geplanten Aktivitäten sehr selbstbewußt als Leistungsherausforderung präsentiert.

Die mögliche Zielgruppe können z.B. Journalisten sein, da diese aus dem Progress Report alle notwendigen Informationen bekommen. Die Möglichkeit zur Anschlußkommunikation besteht und diese scheint auch gewollt zu sein, denn das Kapitel Kommunikation informiert nicht nur über die interne Kommunikation in den Standorten, sondern auch über die zwei anderen Teile des Umweltreports (Change und Progress Report auf CD-ROM). Dazu sind eine 0130-Telefonnummer zum Bestellen sowie eine Frankfurter Vorwahl als Info-Hotline bei Fragen rund um Hoechst angegeben. Im Impressum wird auch eine Adresse (Unternehmenskommunikation) für schriftliche Anfragen genannt, außerdem werden hier die redaktionell Verantwortlichen für den Progress Report namentlich erwähnt und auch das Veröffentlichungsdatum ist angegeben.

Leider gibt es keine Angaben zur Qualität des Papiers. Insgesamt ist die Form des Progress Reports im Vergleich zu anderen Umweltberichten eher unscheinbar, da aber der Umweltbericht insgesamt nicht wie eine Rechtfertigung wirkt, ist die äußere Form dem inhaltlichen Eindruck angepaßt.

CDROM: Progress Report 1996  

Der ,,Progress-Report`` auf CD-ROM ist die multimediale Ergänzung zu dem gedruckten Umweltbericht. Der Datenbestand der CD von ca. 290kB informiert umfassend über das Thema Umwelt beim Hoechst-Konzern. Jeder der sich intensiv mit den Umweltdaten dieses Konzerns beschäftigen möchte, sollte auf diese CD zurückgreifen.


  
Abbildung 3: Progress-Report, Ziele von Hoechst
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Form

Die Präsentationsform der Daten und des Unternehmens ist hier natürlich durch die spezielle Wahl des Mediums CD-ROM stark determiniert. Trotzdem lassen sich die üblichen Kriterien der Analyse der Form anwenden.

Die Darstellung auf dem Bildschirm ist sehr einheitlich gehalten (siehe Abb. 3). Auf der linken Seite befindet sich immer eine Menüleiste, welche in jeder Situation ansprechbar ist. Der Anwender kann also von jedem Unterpunkt zu einem beliebigen anderen Punkt mit Hilfe dieser Leiste gelangen. Sie gehorcht einem hierarchischen intuitiven Prinzip. In der Mitte und rechts befindet sich immer die inhaltliche Ausführung des angeklickten Menüpunktes. Innerhalb des Textes gibt es Hyperlinks, welche auf andere Seiten verweisen, die z.B. Fachbegriffe erläutern. In der rechten Spalte befinden sich oftmals Fotos.

Zur multimedialen Präsentation gehört natürlich auch Ton und Bewegtbild-Video. Beides ist auch hier vertreten. Besonders hervorzuheben sind die Tonaufnahmen, die die Vorstellungen der einzelnen Produktionsstandorte unterstützen. Diese Standorte werden nämlich von einem Mitarbeiter ,,vor Ort`` in der jeweiligen Landessprache vorgestellt. Einen Videofilm gibt es im Bereich Sicherheit, wo der Einsatz der Werksfeuerwehr gezeigt wird.

Text
Ungefähr die Hälfte des Bildschirmes kann mit Text gefüllt werden. Je nach Thema wird diese Möglichkeit auch ausgenutzt (siehe Abb. 3). Scrollbalken ermöglichen das ,,Durchblättern`` des Textes, so daß auch durchaus längere Texte zu finden sind (ca. 3 Seiten). Kleinere Textblöcke finden sich auch in Form von Bildunterschriften oder als Erläuterungen zu animierten Grafiken.
Text / Bildverhältnis
Das Text/Bildverhältnis variiert sehr stark -- je nach Thema. Der historische Abriß des Konzerns oder auch dessen Vorstellung wird vor allem durch Text dominiert. Auf der anderen Seite gibt es die konkreten Umweltdaten, welche als Säulendiagramme dargestellt werden, so daß dort der Text in den Hintergrund gedrängt wird. Das Verhältnis zwischen Text und Bild wirkt sinnvoll, da immer dort, wo Dinge graphisch präsentiert werden können, dies auch getan wird.
Grafik
Die Grafiken sind durchaus schlicht gehalten, was aber auf jeden Fall der Lesbarkeit förderlich ist. Die Darstellung ist im ganzen Programm einheitlich (Säulendiagramm) und ist meistens die Abhängigkeit einer umweltrelevanten Größe von der Jahreszahl. Jede Grafik erhält eine interaktive Legende, welche mit der Maus anklickbar ist, so daß man thematisch verwandte Daten sofort abrufen kann. Nicht möglich ist die Darstellung von Daten im Vergleich, also die gleichzeitige Darstellung unterschiedlicher Daten. Neben statischen Grafiken, die vor allem Daten visualisieren, gibt es auch animierte Grafiken, die vor allem die Funktionsweise von Anlagen erklären. Diese Animationen nutzen das Medium Computer am besten aus, da sie interaktiv sind und auch den Ton gezielt einsetzen.
Bilder
Thematisch eng am Text orientiert gibt es (farbige) Fotos, welche teilweise auflockernde oder auch informative Funktionen besitzen. Einige stellen auch Hyperlinks zu animierten Grafiken dar; machen also den Anwender neugierig.

Eine Ausnahme stellen die Bilder im Bereich des Magazins ,,change`` dar.

Wirkung
Die CD- ROM macht einen durchaus positiven Eindruck. Das Layout ist übersichtlich. Die Bedienung mit der Maus ist einfach und intuitiv. Auch das Starten der Software ist sehr einfach. Wer keinen Computer besitzt, kann sich die Audio-Spuren auch auf einem CD-Player anhören.

Nachteilig ist die Anpassung des Programmes an eine Auflösung von 640x480 Punkten, was bei höheren Auflösungen zu einem ,,Guckkasten-Effekt`` führt.


  
Abbildung: Progress-Report, Präsentation des Unternehmens
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Inhalt

Die CD gliedert sich in 7 Teilbereiche:

Sprache
Der Text ist relativ knapp gehalten, was bei einer multimedialen Anwendung durchaus üblich ist, da schlichtweg der Platz durch grafische Elemente und durch eine bestimmte Bildschirmauflösung beschränkt ist. Obwohl es sich oftmals nur um eine Aneinanderreihung von Hauptsätzen handelt, sind die Texte gut zu lesen und leicht verständlich. Wenn Fachwörter verwendet werden, dann werden sie meist mit Hilfe eines Hyperlinks erklärt (siehe Abb. 3 blau unterlegte Begriffe). Die Sprache ist in dem ganzen Report vor allem sachlich und wenig emotional. Eine Ausnahme stellt hier die eingescannte Version des Magazins ,,change`` dar. Hier tauchen journalistische Elemente mit starkem personalen Bezug auf, welche dadurch auch emotional wirken.

Die Texte beziehen sich selten direkt auf die Grafiken, sondern sind auch ohne die Grafiken verständlich. Wenn Fotos im Text auftauchen, dann besitzen diese auch eine sinnvolle Bildunterschrift oder der Text bezieht sich auf das Foto (z.B. Fotos der Standorte).

Was wird vermittelt?
Der Inhalt vermittelt einen sehr seriösen Eindruck. Hoechst nimmt einen relativ neutralen Standpunkt ein und setzt auf die Wirkung der detaillierten Information.


  
Abbildung 5: Progress-Report, Brief an Hoechst
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Gesamteindruck

Hoechst präsentiert sich im Rahmen dieses ,,Progress Reports`` von der kompromißlos offenen Seite. Man hat den Eindruck, daß das Unternehmen völlige Transparenz herstellt. Wenn man sich mit einem Standort beschäftigen will, dann kann man fast beliebig viele Details über diesen erfahren. Selbst wenn der Report nicht die gesuchten Daten liefert, kann man immer noch den Standort per Brief anschreiben und sich die Daten schicken lassen (siehe Abb. 5). An anderer Stelle kann man sich weitere Publikationen auch mit Hilfe dieses Programmes schicken lassen: das Bestellformular wird einfach direkt von dem Programm heraus gedruckt. Anschlußkommunikation ist auf jeden Fall gewährleistet. Wenn der Nutzer dieses Programmes jedenfalls mehr Interesse verspürt, als diese CD-ROM decken kann, dann hat er vielfältige Möglichkeiten, diese weiterzuverfolgen.

Als Zielgruppe kommt hier vor allem der ,,Umweltprofi`` in Frage. Wenn sich jemand umfassend über die Umweltdaten von Hoechst informieren will, dann kann er das mit diesem Bericht sehr gut tun. Es werden von solch einem Umweltbericht vor allem Personen angesprochen, die relativ viel Zeit für diesen Themenbereich aufwenden, also vor allem Mitglieder von Umweltorganisatoren oder andere Multiplikatoren.

Zu jedem Bericht gehört ein Impressum mit den allen verantwortlichen Mitarbeitern. Auch hier ist die Transparenz gewährleistet, da diese im sogenannten Abspann genannt werden. Für die Daten selbst sind die jeweiligen Standorte verantwortlich.

Persönliche Stellungnahmen / Kommentare

Tanja Maciosek

Hoechst als Chemieunternehmen hat in Bezug auf Umweltschutz/Umweltfreundlichkeit ein besonders schlechtes Bild in der Öffentlichkeit. Im Unterschied zu einem Unternehmen der Automobilbranche, wie z. B. Mercedes Benz, dessen Produkt Auto für private Mobilität steht und dessen Name weltweit als Statussymbol gilt, ist für Verbraucher bei Produkten des Hoechst-Konzerns ein persönlicher Nutzen nicht deutlich erkennbar. Das heißt, daß auch der umweltbewußten, kritischen Öffentlichkeit oft nicht bewußt ist, in welchen Produkten, die von ihr täglich gekauft oder benutzt werden, Stoffe aus einem Chemieunternehmen enthalten sind (z. B.: Verpackungen, Waschmittel etc.). Somit verbindet die Öffentlichkeit mit dem Namen Hoechst vermutlich kein bestimmtes Produkt, sondern u.a. auch das Bild, das er sich durch die Berichterstattung der Medien gemacht hat.

Viele Umweltbeeinträchtigungen durch Luft- oder Wasserverschmutzung, gefährliche Transporte etc. oder auch die Belästigung der Anwohner sowie mögliche Gefahren für die Mitarbeiter sind der Öffentlichkeit bekannt. Durch Störfälle, wie z. B. in Griesheim über den die Medien ausführlich berichtet haben, wird dieser 'schlechte Eindruck' noch verstärkt, was zum Negativ-Image im Bereich Umweltschutz/Umweltfreundlichkeit führt.

Dadurch, daß das Unternehmen in diesem Bereich von der Öffentlichkeit besonders kritisch beäugt wird, trägt jeder neue Störfall dazu bei dieses Bild zu verschlechtern. Damit ist der Zugzwang für Hoechst generell groß Aktivitäten im Bereich Umweltschutz, Betriebssicherheit etc. publik zu machen, um damit seine Glaubwürdigkeit wiederzuerlangen.

Den Umweltbericht kann man - unabhängig von Auflagen einen solchen zu veröffentlichen, bzw. dem Druck durch derartige Veröffentlichungen anderer (Chemie-)Unternehmen - als ein gelungenes Beispiel für eine solche Publikation sehen.

Zum einen liegt dies daran, daß Hoechst seine schlechte Ausgangslage ernstgenommen hat und mit dem Progress Report 1996 und dem Magazin Change ein aufwendiges Konzept vorgelegt hat, das den Umweltbericht nicht als Pflichtübung erscheinen läßt. Der Grund dafür - und gleichzeitig das Besondere des Hoechst-Umweltberichtes - ist die Dreiteilung in:

womit eine Ausrichtung auf verschiedene Zielgruppen möglich ist: sowie eine Informationsübermittlung durch verschiedene Medienträger:

Desweiteren nimmt Hoechst die kritische Öffentlichkeit ernst und begegnet ihr in allen Teilen des Umweltberichtes mit großer Offenheit. So findet man Selbstkritisches nicht nur im Change, auch der Progress Report greift Störfälle, Betriebsunfälle etc. auf. Auf Schlagworte und Floskeln wird verzichtet und auch die Form entspricht nicht nur durch die Dreiteilung nicht den Erwartungen, sondern überrascht positiv durch das ansprechende Gesamtlayout des Change, durch die angenehm bescheidene Aufmachung der Printversion des Progress Reports und durch die logisch strukturierte, tatsächlich 'multimediale' Präsentation des Progress Reports auf CD-ROM.

Lies sich vor dieser intensiven Beschäftigung mit Umweltberichten zunächst vermuten, daß ein 'umweltfreundliches Unternehmen' wie z. B. die Deutsche Bahn AG bei einem Umweltbericht durch sein positives Image im Umweltbereich in puncto Glaubwürdigkeit einen Bonus haben würde - ein Chemieunternehmen wie Hoechst, mit dem Malus eines Negativ-Images im Umweltbereich behaftet, eher einen unglaubwürdigen, als Rechenschaft wirkenden Umweltbericht abliefern würde, muß man nun feststellen, daß das nicht stimmt. Hoechst hat - trotz der schwierigen Ausgangslage, wohl den 'besten' der untersuchten Umweltberichte hervorgebracht. Mit dazu beigetragen hat ein hochmotiviertes Team, deren Mitglieder, wie Projektleiter Ludwig Schönefeld anmerkte, z.B. für die Erstellung der CD-ROM aus eigener Initiative Produktionsvorgänge als Animationen darstellten. Es darf auch nicht vergessen werden, daß für die Realisierung des Umweltberichtes ein Budget von 2,6 Mio. DM zur Verfügung stand. Eine solche Summe wird kaum ein anderes Unternehmen für einen Umweltbericht aufbringen - warum auch? Kaum ein anderes Unternehmen steht durch negative Vorfälle im Umweltbereich so im Fokus der öffentlichen Betrachtung wie Hoechst es lange war.

Trotz dieser positiven Beurteilung wird der Hoechst-Umweltbericht in dieser Form ein 'Unikat' bleiben, da er in dieser Form aus Kostengründen nicht weitergeführt wird. Auch das Magazin Change wird nach der ersten und einzigen Ausgabe eingestellt. Man kann nun spekulieren, ob die hohen Kosten, eine personelle Umstrukturierung innerhalb der Umweltkommunikation oder schlichtweg die nachlassende negative Berichterstattung die Ursache dafür ist.

Auch bei Umweltberichten anderer Unternehmen ließ sich beobachten, daß Umweltberichte nicht regelmäßig, bzw. nicht in der gleichen oder ähnlichen Form erscheinen. Damit sind Umweltberichte verschiedener Jahre schwer oder gar nicht vergleichbar.

Wenn auch einzelne Umweltberichte gelungen sind, läßt die Gesamtbetrachtung der 'Gattung' den Schluß zu, daß es sich tatsächlich nur um ein notwendiges Übel handelt, das man veröffentlicht, weil es eben alle machen - zumal mit einem Umweltbericht, anders als bei einer Imagekampagne innerhalb der üblichen Werbung oder PR-Arbeit keine breite Öffentlichkeit erreicht wird. Die in einigen Fällen völlig ungenügenden Verteilungsaktvitäten der Unternehmen, lassen den Schluß zu, daß dieses dann auch so erwünscht ist. Andere Umweltberichte sind zumindest so ausgerichtet, daß sich die Intention erkennen läßt, durch Meinungsbildner verbreitet zu werden. Bei Hoechst-Umweltbericht ist ein ganz besonderes Interesse an der möglichst weitgestreuten Verbreitung zu erkennen (u.a. durch den Versand an verschiedene Gruppen, wie Medien Politik, Kunden etc. ; einen Aushang in den Zügen der Deutschen Bahn AG; die Verteilung in Werken des Unternehmens beim Tag der offenen Tür und durch ein eigens für den Umweltbericht initiiertes Presseforum - sowie auch durch die Querverweise für die jeweils anderen Medien in allen Teilen des Umweltberichtes).

Ich glaube nicht, daß ich ohne dieses Seminar zu einem Umweltbericht gekommen wäre, denn weder Bestellscheine, noch ausliegende Exemplare hätten mich dazu motiviert mich damit zu beschäftigen. Auch gehöre ich nicht zu einer der Gruppen, der ein solcher Bericht automatisch zugeschickt wird. Wenn ich umweltrelevante Informationen über ein Unternehmen bekommen wollte, würde ich nach wie vor unabhängige Quellen hinzuziehen. Damit stellt sich nicht nur die Frage nach der Absicht und Ursache für die Unternehmen einen Umweltbericht zu veröffentlichen, sondern auch die nach der Glaubwürdigkeit und dem Nutzen für den Rezipienten.

Peter Ücker

Ausgehend von der Analyse des Umweltmagazins Change und des Progress Reports in den Teilen Printmedium und CD-ROM der Firma Hoechst, stellten sich beim Vergleich zwischen diesen Medienträgern und dem eigentlichen Aspekt des Themas Umweltschutz unweigerlich die folgenden Fragen: Unter diesen Gesichtspunkten betrachtet, stellen sich Umweltberichte, in diesem Fall der Umweltbericht des Chemiekonzerns Hoechst doch anders dar als vermeintlich erwartet.

Hoechst betreut seine Zielgruppen auf einer sehr breiten Basis und nach deren Gusto.

Das Thema Umwelt und Umweltschutz wird in den Informationsträgern in Form des Progress Reports (sowohl gedruckt, als auch in Form einer CD-ROM) meiner Meinung nach bewußt dazu genutzt, die durch Firmeninterne Umstrukturierungen notwendige Neuvorstellung der verschiedensten Produktions- und Logistikbereiche, in diesem Fall der Zielgruppe der Journalisten und Meinungsmacher anzubieten.

Erinnern wir uns an den Vortrag der Vertreter von Hoechst, bzw. Herberts (einer jetzt eigenständigen Hoechst Tochter), so kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß der Umweltbericht eher als ein lästiges Übel angesehen wird als eine Möglichkeit die bei einem Chemieherstellenden- und verarbeitenden Konzern nicht unerheblichen umweltschutzrelevanten Aspekte für die Öffentlichkeit - und sei es nur die unmittelbar betroffene Öffentlichkeit - deutlicher hervorzuheben.

Interessant erscheint der rechtliche Aspekt eines Umweltberichts. Durch die rechtliche Verpflichtung der Unternehmen ( Öko-Audit) entstand für diese plötzlich der Zwang zu handeln, das Thema Umweltschutz öffentlich zu machen, in konkretem Fall auch die Leistungen der Konzerne auf diesem Gebiet durchsichtiger und vor allem zugänglich für die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen zu gestalten.

Im Klartext: Umweltberichte werden gemacht, weil sie von der Gesellschaft verlangt werden und weil andere Unternehmen ebenfalls Umweltberichte vorlegen und man sich dem nicht entsagen kann.

Betrachtet man rückblickend Umweltberichte anderer Unternehmen, z.B.: von der Lufthansa oder der Ruhrgas AG, so fällt eines auf. Hoechst als Chemiekonzern ist zwangsläufig immer mit dem Thema Umwelt konfrontiert, mehr noch als andere Unternehmen und besonders dann, wenn wieder einmal in einem Werk ein Störfall bekannt wird. Diese Thematik wird aber in keinster Weise verschwiegen sondern nimmt sogar einen relativ großen Raum in der Berichterstattung (vgl. CHANGE, Seiten 43 - 58) ein, vermittelt somit eine ernste Verantwortung gegenüber der Bevölkerung.

Gerade das Magazin CHANGE zeigt deutlich, daß das Thema Umwelt doch viel mehr birgt als die bloße Aneinanderreihung statistischer Daten über den Wasserverbrauch eines Werkes in einem Geschäftsjahr. CHANGE setzt auf ,,human touch``, auf die Verbindung zwischen Chemie und Mensch. Nicht ein bestimmtes Produkt steht im Vordergrund, sondern die Fülle der Vorteile die uns allen durch chemische Produkte zugänglich sind.

Nimmt man als Beispiel die Umweltberichte der Lufthansa AG bzw. der Ruhrgas AG, so ist dies in der Regel auch immer ein Spiegelbild des Unternehmens.Die Ruhrgas AG zeigt sich konservativ und bodenständig und behandelt klassische Umweltthemen. Problemfelder werden nicht thematisiert, der Umweltbericht wird als ein Imageprodukt betrachtet. Die Lufthansa AG stellt sich zukunftsorientiert vor, läßt aber keine Komplexität der Themen erkennen sondern vermittelt Kernbotschaften, in dem der Umweltschutz als latent vorhandener Philosophiebegriff des Unternehmens immer wieder auftaucht und gerne auf Themen wie Forschungsförderung in der Grundlagenforschung hinweist. Auch der Umweltbericht der Lufthansa zeigt sich in seiner Erscheinungsart als formästhetisch ausgereift. Das Image steht im Vordergrund, nicht die Vermittlung von interessanten, die Umwelt betreffenden Themen.

So gesehen bietet Hoechst einen breiten Einblick in das Thema Umweltschutz bei einem Chemieunternehmen. Das Ziel, mit drei Informationsträgern zum Thema Umweltschutz die verschiedenen Zielgruppen anzusprechen hat das Unternehmen auf diesem Gebiet primär erreicht und für meine Begriffe sehr innovativ verarbeitet. Doch darf man nicht vergessen, daß dieses nicht ohne Zwang geschehen ist. Das Magazin CHANGE wurde nach der Nullnummer eingestellt. Es stellt sich die Frage ob das einen Rückschritt in der unternehmerischen Öffentlichkeitsarbeit bedeutet und bestätigt, daß die Auseinandersetzung mit dem Thema Umweltschutz durch externe Zwänge als gegeben betrachtet wird und somit einer Abarbeitung des Themas bedarf. Auch die anderen Umweltberichte (Progress Report, CD-ROM) wird es in der Form bei Hoechst in Zukunft nicht mehr geben.

Die Einstellung dieser Aktivitäten im Bereich der Umweltberichte mit dem Argument der veränderten Unternehmensstruktur bei Hoechst zu begründen scheint mehr als fraglich. Das solche Tätigkeiten für ein Unternehmen kostspielig sind, zweifelt niemand an, doch kann dies kein Argument sein. Im Falle des Magazins CHANGE hätte sich für das Unternehmen die Möglichkeit ergeben, ein manchmal umstrittenes Produkt mit anderen Methoden der Öffentlichkeit vorzustellen. Nur sollte sich der Konzern vorher sehr gründlich überlegen was sie unter Öffentlichkeit, genannt Zielgruppe versteht. Nach eigenen Aussagen der Hoechst Vertreter, hat ein Umweltbericht geringe Wirkung bei der Bevölkerung. Der persönliche Kontakt zu den Bürgern (Betroffenen ?) scheint wichtiger und effektiver. So beschleicht einen bei der zurückliegenden Analyse der verschiedenen Umweltberichte immer das Gefühl, einen Werbeprospekt des Unternehmens in den Händen zu halten und als Verbraucher nicht ernst genommen zu werden.

Bernd Porr

Der Umweltbericht der Firma Hoechst wurde in unserem Seminar zu Recht zu einer der Besten seiner Gattung gekürt: z.B. ermöglicht das modulare Konzept das präzise Ansprechen von Zielgruppen. Jedes Modul hat seine speziellen Eigenheiten, um jede Zielgruppe effizient zu bedienen. Das Magazin ,,change`` übernimmt hierbei die Basisarbeit. Es soll den Leser für das Thema ,,Umwelt und Chemie`` interessieren und ihn neugierig machen. Der erste Schritt, daß er das Heft überhaupt in die Hand nimmt, wird ihm leichtgemacht: die FOCUS-ähnliche Aufmache verspricht ihm, ein gut gemachtes Magazin zu lesen -- und er wird nicht enttäuscht. Ist das Interesse geweckt, kann der Leser sich weiteres Infomaterial bestellen. Adressen und Telefonnummern befinden sich in auf einer ,,Anzeigenseite`` im Heft. Dort kann man dann den eigentlichen Umweltreport bestellen, der die harten Umweltdaten der Firma Hoechst präsentiert. Für die ganz Wissensdurstigen, gibt es dann noch die CD-ROM auf der sehr umfassend die Umweltdaten vieler Standorte dargestellt werden. Umweltschützer oder Verbände aus diesem Bereich werden natürlich sofort auf die beiden letzteren Publikationen zurückgreifen. Aber das Konzept ist so gewählt, daß praktisch jeder die Möglichkeit hat, sich in das Thema einzuarbeiten. Durch die drei sehr unterschiedlichen Publikationen kann er das beliebig intensiv betreiben (CDROM) oder eben an der Oberfläche bleiben und trotzdem dabei etwas lernen (,,change``). Die Überlegung, welche Zielgruppen in Frage kommen, hat hier also ganz konsequent zu einem modularen Konzept geführt. Die Zielgruppen wurden hier vor allem durch ihr Hintergrundwissen differenziert. Das Hintergrundwissen legt wiederum das Interesse an Umweltdaten fest. Wer noch nie etwas von Umweltberichten gehört hat, muß mit anderem Bekannten an diese herangeführt werden (z.B. Layout, Aufmache, ...). Ist massives Hintergrundwissen vorhanden braucht man nicht mehr für den Bericht an sich zu werben, sondern kann die Daten selbst sprechen lassen (z.B. durch deren Vielfalt oder deren Vergleichsmöglichkeiten).

Eine interessante Frage ist natürlich die Entstehung solcher Annahmen über Zielgruppen. Werden Konstrukte über mögliche Zielgruppen in Agenturen oder Arbeitsgruppen innerhalb von Firmen nun bewußt entwickelt? Oder etwas überspitzt gefragt: muß die PR-Gruppe wissen, was sie tut? Daß das nicht immer der Fall sein muß, hat sich im Vergleich zwischen ,,Koop & Partner`` und Hoechst (Schönefeldt) herausgestellt. Die Agentur ,,Koop & Partner`` wurde erst durch unseren Besuch animiert, ihre eigenen Publikationen zu kategorisieren. Dementsprechend war dann auch deren Versuch einer Kategorisierung relativ beliebig und ziemlich dilettantisch. Noch deutlicher wurde dieser relativ geringe Grad der Selbstbeobachtung bei der Befragung des Grafikers der Agentur. Obwohl die Grafikabteilung -- nach deren eigener Aussage -- der Dreh- und Angelpunkt der Agentur ist, wußte der Grafiker nicht mehr zu sagen, als daß ,,Glaubwürdigkeit durch die Form entsteht``. Fragen bezüglich Zielgruppen wurden immer nur ausweichend beantwortet. Trotzdem funktioniert diese Agentur. Auch ohne Beobachtung 2. Ordnung. Der Experte der Grafikabteilung beherrscht seine Heuristiken sehr gut aber er kann sie wahrscheinlich nicht beschreiben. Für den Alltag ist das auch nicht nötig, ja sogar hinderlich, da Reflektion zu viel Zeit verbraucht und Unsicherheiten erzeugt: fragt man den Tausendfüßler warum er laufen kann, dann wird er es nicht mehr können. Daß das aber nicht unbedingt die beste Lösung ist, zeigt sich im Falle Hoechst. Hier wurde nämlich nach der ersten Serie von Störfällen sehr wohl Reflektion betrieben. Aber erst danach, als Zeit vorhanden war. Während der konkreten Krisenphase wurde wahrscheinlich auch mehr oder weniger ,,aus dem Bauch heraus`` entschieden, da wenig Zeit zur Verfügung stand. Daß die zu dem Zeitpunkt vorherrschenden Heuristiken zumindest am Anfang nicht adäquat waren[*], zeigt, daß man sich vorher darüber auch keine Gedanken gemacht hat. Aber aus den Fehlern hatte man gelernt. Das modulare Umweltberichtkonzept war nur ein Baustein von einigen Maßnahmen, um das Vertrauen der Bevölkerung wiederherzustellen. Hier wurde nach der Serie von Störfällen massiv Reflektion betrieben -- natürlich nicht ganz freiwillig. Dieser Lernprozeß mündete z.B. auch in diverse Publikationen der Firma Hoechst. Hier wurde offensichtlich relativ viel Zeit mit der Nachbearbeitung der Ereignisse verwandt, um für den nächsten Ernstfall besser gewappnet zu sein. Das Magazin ,,change`` ist nun ein Produkt, welches gerade durch diesen soliden theoretischen Hintergrund sehr gut geworden ist. Das gleiche gilt natürlich auch für die anderen Magazine und für das PR-Konzept als Ganzes (z.B. persönliche Gespräche, auf die weiter unten noch eingegangen wird).

Bleiben wir noch etwas bei diesem Magazin ,,change``[*]. Das besondere Merkmal von ,,change`` ist ja der ,,human touch``, welcher in praktisch jedem Artikel vorhanden ist. Dieser menschliche Aspekt ist aus zwei sehr unterschiedlichen Gründen wichtig. Zum einen lassen sich Artikel mit einem hohen menschlichen Bezug einfach leichter lesen. Es gibt Identifikationsmöglichkeiten und es kommt einem alles irgendwie bekannt vor. Als Leser ist man ja auch nur ein Mensch. Zum anderen wird gerade Glaubwürdigkeit durch den direkten menschlichen Kontakt hergestellt. Diese Erfahrung kann natürlich nur erzählt werden aber sie ist eben oftmals Gegenstand der Artikel. So beschreiben die Artikel nicht nur irgendwelche Menschen sondern vor allem Menschen, die im direkten sozialen Umfeld der Betriebe arbeiten. Es wird z.B. der Besitzer einer Würstchenbude im texanischen Pampa beschrieben, der vor allem Chemiearbeiter der Stadt mit seinen Erzeugnissen versorgt. Auch das Gegenteil wird thematisiert: wenn Chemie nur von den Medien anonym propagiert wird, dann entstehen (irrationale) Ängste, die vor allem auf Grund von Mißverständnissen oder Überinterpretationen entstehen. Daraus zieht Ludwig Schönefeld -- der Macher von ,,change`` -- Konsequenzen: man muß den persönlichen Kontakt zur Bevölkerung pflegen. Gerade die Nachbarn eines Chemie-Werkes sollten immer informiert werden -- und das nicht ausschließlich durch Hochglanzbroschüren sondern auch durch das persönliche Gespräch.

Sehr interessant ist natürlich in diesem Kontext die Frage nach der Glaubwürdigkeit: zum einen natürlich, ob man als Journalist überhaupt in dieser Branche Glaubwürdigkeit transportieren (bzw. selbst repräsentieren) kann und zum anderen ob die Arbeit gerade im Bereich der PR überhaupt mit der Berufsethik des Journalisten vereinbar ist. Für Ludwig Schönefeld ist die Antwort bezüglich dieser Problematik durchaus eindeutig: Glaubwürdigkeit ist vermittelbar und er findet sich ehrlicher als ein Kollege bei einer beliebigen Tageszeitung. Überspitzt gesagt stellt sich die Frage, ob ein Journalist, der mit dem Medium ,,Moral`` Karriere macht, besser ist, als einer der von sich aus sagt, daß er ein mehr oder weniger egoistisches Interesse vertritt. Wem man dann mehr Glaubwürdigkeit (oder weniger Egoismus) unterstellen? Der Journalist, der sich im Bereich der PR engagiert, ist auf jeden Fall besser einzuordnen als der Journalist, der einen vermeintlich seriösen Artikel schreibt, der dann doch nur Meinung oder ,,common-sense`` enthält. Der tägliche Betrieb in der Tageszeitung unterliegt auch seinen Zwängen und Gesetzen. Im Prinzip weiß das jedes Kind: In vielen Fällen beschneiden diese Zwänge das Streben nach journalistischer ,,Wahrheit`` so stark, daß oftmals Anspruch und Alltag weit auseinanderklaffen. Natürlich gibt es noch lobenswerte Ausnahmen. Aber die gibt es meiner Meinung nach gerade nicht im ,,objektiven Journalismus`` sondern in den Bereichen wo Meinung durchaus erwünscht ist: z.B. in der Wochenzeitung DIE ZEIT.

Glaubwürdigkeit ist ja eine Eigenschaft, die von allen Seiten als positiv bewertet wird. Trotzdem verstehen unterschiedliche Leute ganz unterschiedliche Dinge darunter. Aber -- wie sagt -- sie ist positiv besetzt oder doch zumindest erstrebenswert. Der Journalist, der bei einer Tageszeitung arbeitet, möchte natürlich glaubwürdig erscheinen. Der Grafiker bei der Agentur Koop & Partner möchte auch mit seinen Produkten Glaubwürdigkeit ausstrahlen. Das Selbstverständnis, was beide haben, ist aber von Grund auf verschieden. Oder vielleicht doch nicht? Betrachtet man das Stereotyp eines Journalisten, dann sollte dieser in seiner Zeitung die Wahrheit und nichts als die Wahrheit vermitteln. Um das zu können, muß er natürlich die Wahrheit herausfinden: normalerweise durch akribische Recherche und kritisches Hinterfragen der gewonnenen Erkenntnisse. Am Ende dieser Arbeit steht ein Artikel oder ein Fernsehbericht, der Glaubwürdigkeit geradezu von sich aus repräsentiert. Glaubwürdigkeit von der Rezipientenseite gesehen heißt ja nichts anderes, als daß er, der Rezipient, willig ist, die Information der Nachricht [*] in seinen eigenen Sinnzusammenhang einzubauen. Ein journalistisches Produkt hat da relativ gute Chancen. Die Akzeptanz wird natürlich noch wesentlich erhöht, wenn die Form die richtige ist: z.B. als Beitrag in einer Nachrichtensendung oder als Artikel in einer Zeitung. Hier existiert also ein System, welches von Anfang bis zum Ende auf Glaubwürdigkeit ausgelegt ist. Informationen werden beim Rezipienten willig und damit unkritisch aufgenommen. Die Herkunft der Nachricht wird nicht in Frage gestellt (was natürlich auch nicht immer möglich ist). Ganz anderes sieht es im Bereich der PR aus. Hier wird die Herkunft /und damit die Intention) der Nachricht immer mittransportiert. Der Kontext der Nachricht legt hier auch die Interpretation der Nachricht fest und damit auch ihre Aufnahme beim Rezipienten. Die ,,Macher`` dieser PR-Botschaften sind sich dessen bewußt -- und die Rezipienten sind sich dessen auch bewußt[*]. Die Werbung für eine Dusche will eben nichts anderes als diese Dusche anpreisen und die Risikokommunikation von Hoechst wirbt im Endeffekt für deren Produkte (oder dessen Akzeptanz). Es soll schließlich Geld verdient werden. Der PR-Profi weiß, daß der Rezipient das auch weiß und stellt sich dementsprechend darauf ein. Sein eigener Spielraum ist dabei vor allem die Variation der Kommunikationsform. Wenn sowieso klar ist, was intendiert ist, wenn der Inhalt mehr oder weniger klar ist, dann muß man sich hier auf die Form konzentrieren. Die Fernsehwerbung hat in dieser Beziehung diverse eigene Kunstformen entwickelt, die nur noch der Form willen geguckt werden. Der Umweltbericht beleibt ein Umweltbericht. Aber die Möglichkeiten der Präsentation sind grenzenlos. -- Was ist nun das Anliegen des Journalisten bei der Tageszeitung, wenn man ihm ein Arbeiten im Rahmen der ,,Berufsehre`` unterstellt? Hat er konkrete Interessen? Natürlich. Er will die Leserschaft ,,objektiv`` informieren. Es sieht sich in der Rolle des klassischen Vermittlers, des menschlichen Nachrichtenkanals, des Mediums[*]. Die Frage stellt sich in der Praxis, ob das in dieser Reinkultur der Fall ist. Betrachtet man es von der systemtheoretischen Seite (Luhmann), dann ist Wahrheit nichts anderes als ein symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium. In seiner Theorie wird dieser Begriff wesentlich pragmatischer aufgefaßt: Wahrheit oder Glaubwürdigkeit ist nicht eine Eigenschaft von Personen oder Institution, sondern ist ein Symbol, welches schlichtweg die Aufnahme von Informationen in den eigenen Sinnhorizont verbessert. Akzeptiert man diesen feinen Unterschied, dann verschwimmen die Grenzen zwischen diesen beiden beschriebenen Berufsgruppen, die sich beide um Glaubwürdigkeit und damit Wahrheit bemühen. Vor allem verlagert sich die Beurteilung dieser beiden Berufsgruppen. Der Journalist in der Tageszeitung nutzt dieses Medium täglich implizit. Ja es ist für ihn praktisch unsichbar immer vorhanden. Er kann sich darauf verlassen. Wenn er einmal falsch recherchiert oder wenn er dann doch seine Meinung (bewußt oder unbewußt) kundtut, dann wird diese trotzdem akzeptiert. In vielerlei Beziehungen wird dadurch sein Tun nicht mehr kritisierbar, da in dieser Gesellschaft Glaubwürdigkeit auf diesem Wege immer mittransportiert wird. Es handelt sich also um eine Guerillataktik: der Kontext der Nachricht ist immer ihr Anspruch auf Wahrheit.

Der PR-Profi hat andere Voraussetzungen. Bei ihm ist seine Absicht -- wie gesagt -- auf jeden Fall auch Gegenstand der Kommunikation: will er informieren oder will er manipulieren? Auch im Seminar gab es diese beiden Fronten: bei der Frage, was für Erwartungen die Teilnehmer oder Teilnehmerinnen an einen Umweltbericht haben, gab es diese zwei Lager. Aus der Rezipientensicht zeigen sich diese beiden unterstellten Grundabsichten in Form von Informationsbedürfnis oder vollständiger Ablehnung solcher Berichte bzw. Desinteresse. Wird der Umweltbericht nämlich als Teil einer Imagekampagne gesehen, so sinkt der Informationswert der Daten gegen Null. Hier stellt sich auch wieder die Frage nach der Wahrheit (z.B. der Daten). Was diese Diskussion im Seminar aber deutlich gemacht hat: egal wie der Umweltbericht interpretiert wird, er wird kritisch betrachtet und die Frage nach der Glaubwürdigkeit schwingt immer mit. Gerade im öffentlichen Diskurs kann diese Eigenschaft durchaus praktisch sein. In anderen Bereichen, in denen Öffentlichkeit hergestellt wird, werden nämlich Botschaften nicht in Frage gestellt sondern als ,,wahr`` einfach angenommen. Das soll nun natürlich nicht heißen, daß man letztendlich eine Demokratie mit Hilfe von PR über Wasser halten kann[*]. Dafür gibt es einfach zu viele subtile Elemente, die auch bei kritischer Betrachtung nicht entlarvt werden können. Aber die gibt es im Bereich des klassischen Journalismus auch. Die Lehre, die man aus dieser Diskussion ziehen kann, ist doch die, daß wenn man die klassischen Nachrichten genauso kritisch unter die Lupe nimmt, wie irgendwelche PR-Erzeugnisse, dann wäre der Gesellschaft sehr geholfen. Von der anderen Seite betrachtet sollte es auch immer legitim sein, seine Interessen vertreten zu können. Meinung kann sehr wertvoll sein.

Nicht aus den Augen verlieren sollte man auch, warum diese Umweltberichte überhaupt geschrieben werden. Beim Lesen der Berichte hat man (natürlich) den Eindruck, daß diese vor allem aus ,,freien Stücken`` geschrieben werden. Daß dies natürlich eher ein Märchen ist, wird einem ja relativ schnell klar. Gerade die Chemie-Firmen wurden ja mit einer ganzen Reihe von Bestimmungen überdeckt, die fordern, daß sie ihre Umweltdaten messen und offenlegen müssen (z.B. TA Luft). Daß man solche Publikationen auch öffentlichkeitswirksam vorstellen kann, liegt natürlich nahe. Firmen müssen im Gespräch bleiben -- und wenn es nichts zu erzählen gibt, dann muß eben ein Ereignis geschaffen werden, worüber man reden kann -- und das sollte sinnigerweise ein positives Ereignis sein. Die Serie der Störfälle bei Höchst war nun gerade nicht dazu geeignet, das Image der Chemie aufzupolieren. Hier war dann nur noch die Flucht nach vorne möglich: kompromißlose Öffentlichkeit. In der heutigen Zeit, wo das soziale Gedächtnis die Störfälle (endlich) vergessen hat, kann man wieder zur Tagesordnung übergehen und die Umweltberichte als aktiven Umweltschutz bezeichnen. Der kausale Zusammenhang zu den Ereignissen in Griesheim ist inzwischen vergessen.

Interessant ist auch das Verhältnis von Kommunikator und Rezipient. Der Kommunikator auf der einen Seite besteht normalerweise aus einer gut differenzierten Struktur in der jeder seine Aufgaben hat. Damit der Kommunikator innerhalb eines Konzerns überhaupt einen Sinn macht, muß dessen Funktion definiert werden. Das ist natürlich im Rahmen von der gestellten PR-Aufgabe sehr einfach. Eventuell entwickelt sich also in einem Konzern ein Subsystem, welches relativ autonom für sich arbeiten kann. Das bedeutet natürlich, daß strukturelle Koppelungen in alle möglichen Richtungen existieren. Entscheidend ist dabei nur, daß die Effekte kontingent sind, also nicht exakt kontrollierbar sind. Das gilt sowohl für den Vorstand, der sich ärgert, daß die PR-Abteilung dann doch den Titel ,,change`` verwendet oder aber, daß die Kampagne in der Öffentlichkeit doch anders interpretiert wird. Überall gibt es Unsicherheiten. Am geringsten sind diese natürlich innerhalb der PR-Arbeitsgruppe oder in der beauftragen Agentur. Interessant ist dabei, wie nun dieses Subsystem sich selbst beschreibt und wie es seine Umwelt beschreibt. Zu beiden Fragen gab es in dem Seminar nur unzureichende Antworten. Auch der Besuch bei der Agentur Koob & Partner hat diese Fragen nicht beantwortet. Wie weiter oben beschrieben, liegt das wohl an der Zeit, die gerade in einer Agentur Mangelware ist. Aber diese Heuristiken müssen latent vorhanden sein, ansonsten würden diese Leute dafür nicht bezahlt. Die Universität mit ihren Möglichkeiten wäre hier gefragt, diese Heuristiken zu beschreiben und dann in die Reflektion der PR-Arbeit wieder einzuführen: die Beobachtung zweiter Ordnung.

Literatur

FALTHAUSER 1978
FALTHAUSER, KURT (1978).
Unternehmen und Gesellschaft: Theorie und Praxis.
Erich Schmidt Verlag, Berlin.

LUHMANN 1994
LUHMANN, NIKLAS (1994).
Soziale Systeme.
Suhrkamp, Frankfurt am Main.

SCHMIDT 1994
SCHMIDT, SIEGFRIED J. (1994).
Konstruktivismus in der Medienforschung: Konzepte, Kritiken, Konsequenzen.
. MERTEN, KLAUS, J. S. SCHMIDT . S. WEISCHENBERG, .: Die Wirklichkeit der Medien, . 592-619. Westdeutscher Verlag, Opladen.

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The translation was initiated by Bernd Porr on 3/31/1998


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