Theaterkommunikation:
Schauspielhaus Bochum und Oper Dortmund
Der Intendantenwechsel in Bochum und Dortmund
aus der Sicht der Szenezeitschriften
bospect, coolibri, MARABO und PRINZ
Seminarleiter: Prof.Dr.Franz R.Stuke
Referent / Hausarbeit: Bernd Porr
PuKW, Physik, Psychologie
Die Analyse beschäftigt sich zuerst mit Leander Haußmann. Und zwar wird bei jedem Szenemagazin zuerst die zeitliche Entwicklung der Berichterstattung untersucht. Im Anschluß wird dann die Person Haußmann mit Hilfe von Stereotypen, die man in den Artikeln findet, konstruiert. Das Material bezüglich John Dew ist leider nicht so üppig, so daß die Einteilung dort etwas gröber ausfällt. Auch dort wird abschließend ein Stereotyp `gebastelt', welches nach der Lektüre der Szenemagazine entstehen könnte.
Die Wahl des neuen Intendanten fand im Herbst 1993 statt. Zu diesem
Zeitpunkt interessierte sich nur bospect für diesen Wechsel, wobei
vor allem die eigentliche ,,Wahl`` im Zentrum des Interesses stand
(bospect 3/93, S.?; B.3.1, S.
). Die
Kulturdezernentin hatte ,,selbstherrlich`` an der Findungskommission
vorbei Haußmann zum neuen Intendanten des Schauspielhauses erklärt.
Der angehende Intendant wird dabei durchaus als ,,interessanter``
Kandidat gesehen, welcher durch das Verhalten der Kulturdezernentin
schon in dieser frühen Phase vielleicht dauerhaft ,,beschädigt``
werden könnte. Die folgende Berichterstattung des bospects
konzentriert sich weiterhin auf die Kultursenatorin und auf den zu
diesem Zeitpunkt noch im Amt befindlichen Intendanten Steckel. Es gab
relativ wenig Berichte bezüglich Haußmann, da - nach Aussage einer
Mitarbeiterin
- über ihn in diversen anderen
Zeitschriften nach der Bekanntgabe der Entscheidung zu seinem Gunsten
ausführlichst und monatelang berichtet wurde.
Nur zur Kooperation Schauspielhaus-VfL gibt es einen längeren Artikel
(bospect 11/95, S.4ff; B.3.1, S.
). Dieser beleuchtet im Rahmen
eines Interviews mit Schauspielern des Schauspielhauses den Gegensatz
Fußball - Schauspiel und die Möglichkeiten, die in einem
gegenseitigen Austausch von Zuschauern stecken. bospect sieht es
durchaus positiv, daß Haußmann versucht, mit Hilfe solch einer
Kooperation die Barrieren zwischen ,,geistiger Hochkultur und
Volksvergnügen`` zu überwinden. Das Schauspielhaus solle ,,nicht nur
auf Grund von Theaterstücken zum Tagesgespräch`` werden, sondern
auch durch andere Ereignisse, wie z.B. durch Stadionbesuche oder
Rockkonzerte. Auch auf der Bühne soll sich einiges ändern. Der
,,neue Wirbelwind`` Leander Haußmann soll die ,,kopflastigen
Inszenierungen unter der Intendanz von Frank Patrick Steckel``
ablösen, bei denen man sich doch öfter ,,beim Blick auf die
Armbanduhr ertappt`` hatte. Die Autoren hoffen, daß der neue
Intendant auch das studentische Publikum wieder öfter ins
Schauspielhaus lockt, welches sich zum Ende der Ära Steckel nur noch
,,zu den Highlights`` eingefunden hatte.
bospects Meinung über Haußmann ändert sich auch nach der ersten
Inszenierung - den Vaterlosen - nicht
(bospect 12/95, S.12; B.3.1, S.
). bospect geht nur in
der Einleitung der Rezension des Stückes auf den Presserummel um
Haußmann ein (,,frisch durchgepustete`` Gänge des Schauspielhauses)
und konzentriert sich dann auf den Inhalt des Stückes bzw. auf die
Inszenierung. Die Besprechung fällt dabei durchaus positiv
aus. Haußmann wird weiterhin mit Hilfe positiv besetzter Attribute
als richtige Wahl für Bochum bezeichnet.
bospect konzentrierte sich bis zur letzten Ausgabe zum Jahreswechsel 95/96 auf Insiderberichte und Rezensionen.
Für die vermeintliche Zielgruppe sind wohl die `aüßeren' Werte wichtiger. Das Informationsbedürfnis wird dann auch durch die Akzentuierung dieses Aspektes wahrscheinlich gedeckt. So widmet sich ein Absatz der physischen Attraktivität Haußmanns und ein zweiter der adäquaten Umhüllung, Verdeckung und Verstärkung durch feine Stoffe ,,beiges Cordjackett``, Brillen ,,Ray Ban`` und Zigaretten ,,Javaanse Jongens``. Die daraus resultierenden (positiven) Effekte in seiner Umgebung - speziell beim weiblichen Geschlecht - werden auch besprochen. Alles in allem macht er den Eindruck eines Menschen, mit dem man sich auf Grund seiner positiven Eigenschaften gern identifiziert.
Im Verlauf des Interviews geht es dann aber vor allem um die Theaterkarriere, die sich als typische Tellerwäscherkarriere bezeichnen läßt: vom Druckerlehrling zum Theaterintendant. Der Weg dorthin wurde durch die Erkenntnis geleitet, daß der Beruf des Graphikers zu ,,langweilig`` war. Haußmann verwendet noch öfter das Wort langweilig, um bestimmte Sachverhalte zu charakterisieren (z.B. die 68er) und liegt damit voll im Trend der Berichterstattung von Szenemagazinen. Auch für sie ist die Differenz ,,langweilig oder nicht`` eine Leitunterscheidung. Das schlimmste, was einem Szenemenschen am Wochenende im Bermuda-Dreieck passieren kann, ist, auf langweilige Menschen zu treffen.
Auch als Chef macht er eine gute Figur. Sei es nun, daß MARABO dies will oder weil Haußmann sich in Szene setzen kann oder weil er wirklich so ist. Für ihn ist Machtgebrauch eine Kindergartenmethode. Die Schauspieler arbeiten für ihn, weil sie ihn mögen und nicht weil er sie zu ihrer Arbeit zwingt. Dieses Image wird durch eine gehörige Portion Idealismus (,,...könnte auf dem freien Markt mehr verdienen``) abgerundet.
Bezüglich seiner Theaterkonzeption trifft er zwar nicht das Selbstverständnis des Hochkulturschemas ,,erst die Arbeit dann das Vergnügen`` aber dafür das der sogenannten (studentischen Theaterwissenschaftler-) Szene, die sich Theater schon immer gefühlsorientiert, extravertiert und laut in jeglichem Sinne gewünscht hat: ,,erst das Vergnügen und dann die Arbeit - aber bitte erst nach dem Wochenende``.
Am Ende hat man den Eindruck, daß mit Haußmann etwas neues anfängt.
Im Oktober wird dann der Spielplan des Schauspielhauses vorgestellt
(MARABO 10/95, S.46; B.3.2, S.
).
Der Autor weist in seinem Text mehrfach darauf hin, daß ,,das
Komödiantische im Vordergrund steht``. Somit beweist er belegt er das
Motto ,,viel Spaß`` mit der Gestaltung des Spielplanes. Zwei
Inszenierungen wurden von Haußmann bereits woanders uraufgeführt,
was der Autor leicht abwertend als ,,aufwärmen`` charakterisiert.
Um die Zeit bis zur Premiere der Vaterlosen etwas
zu überbrücken, taucht Haußmann in der Klatsch-Spalte des Magazins
auf, wobei der Inhalt des dort dargebotenen Textes
wahrscheinlich gar nicht entscheidend ist, sondern die Nennung seines
Namens (und die Präsentation eines relativ unscharfen Fotots) in
gerade dieser Spalte (MARABO 11/95, S.12; B.3.2, S.
).
Die Rezension in der Dezemberausgabe der
Die Vaterlosen differenziert das positive Bild Haußmanns
(MARABO 12/95, S.90; B.3.2, S.
), indem beim
Erfolg bezüglich PR und Inszenierung differenziert wird. Der Autor
beglückwünscht Haußmann auf jeden Fall dazu, daß er in die
Public-Relations-Geschichte des Theaters eingehen wird. Bezüglich
seiner inszenatorischen Leistungen kocht auch er nur mit Wasser:
,,Im Ernst, Haußmann ist gut -- aber das sind einige.``.
Zentral ist, daß der Autor herausarbeitet, wie sich das durch die
PR-Arbeit positive Image auf die Erwartungshaltung der Theatergemeinde
ausgewirkt hat. Mit anderen Worten: wie sich die Persönlichkeit
Haußmanns auf die Vorabberichterstattung bezüglich des
Schauspielhauses ausgewirkt hat. Haußmann ist dabei das Symbol
für Aufbruch und Neues, mit dem ,,alles anders wird. Endlich
anders. Einfach anders.``. Dabei hat es wohl der Gemeinde genügt,
daß es ,,anders`` wird, was immer ,,anders`` bedeutet
. Haußmann hat
es ihm Rahmen eines ,,gigantischen PR-Coups`` geschafft,
Projektionsfläche für die Wünsche aller Theaterzuschauer zu
werden. Jeder mag ,,anders`` anders definiert haben aber jeder hat es
positiv besetzt. Der Vorteil der Person Haußmanns ist es also, daß
gerade durch die ,,personality-show`` die konkreten Inhalte keine
Rolle gespielt haben, so daß diese dann von jedem (potentiellen)
Zuschauer selbst ausgeschmückt werden konnten.
In das Bewußtsein der Leser dringt er aber wohl erst, als er zum PRINZ
des Monats erklärt wird (PRINZ 6/95, S.6; B.3.3, S.
). Neben
einem kurzen Einspalter posiert Haußmann vor dem neuen Logo des
Schauspielhauses.
Parallel zum Marabo wird auch hier Haußmann mit positiven Attributen beschrieben. Das gilt sowohl für seinen Charakter (,,charmant``) als auch für die neue Theaterkonzeption (,,Scharf auf Emotionen``). Der Schwerpunkt des Textes liegt dann aber mehr bei allgemeinen Aussagen als bei konkreten Hinweisen, wie es denn nun Inhaltlich wird. Allgemein hat man den Eindruck, daß Haußmann sich einiges hat einfallen lassen. So will er u.a. durch eine Kooperation mit dem VfL die Theaterbastion der 68er stürmen. So klingt selbst das Zitat aus der Hochkulturpresse nicht abwertend, sondern eher nach dem Motto `viel Feind, viel Ehr': ,,fröhlichste Regie-Null Deutschlands``. Das Theater soll zum Mehrzweckhaus werden, in welchem nicht nur Theater gespielt wird, sondern auch Parties gefeiert und Rockkonzerte veranstaltet werden sollen. Ja das Theater soll wieder zu einem Zentrum der Kultur werden.
Im Oktober wird dann Haußmann nochmal im Rahmen einer
Vorstellungsrunde, in der alle Ruhrgebietsregisseure zu Wort kommen,
vor allem mit Gegensatzpaaren beschrieben: auf der einen Seite Steckel
auf der anderen (der Sonnenseite) Haußmann
(PRINZ 10/95, S.110; B.3.3, S.
). In Anspielung auf Steckels
,,Warten auf Godot`` wird das Gegensatzpaar Godot - Haußmann
aufgebaut. Auf den einen warten wir vergeblich, der andere ist im
November da. Und zwar mit einer ganzen Reihe außergewöhnlicher
Einfälle und Vorstellungen. Selbst wenn Haußmann ,,gleich
reihenweise Theatertexte zertrümmert und nicht jeder die
Totaloperation überlebt``, ist das zwar nicht unbedingt im Sinne des
Theaters aber auf jeden Fall cool und niemals langweilig.
Erst am Ende entdeckt der Autor doch ein kleines Wölkchen über dem Intendanten. Man könnte fast meinen, daß der Autor sich bezüglich der kommenden Premiere absichern wollte, falls es doch nicht so toll wird wie gemeinhin prophezeit: ,,Prophet oder Scharlatan¿`
Das Stück ,,Die Lügen der Papageien`` wurde nun wirklich von dem neuen Intendanten inszeniert, welches trotz der Überschrift ,,Theaterspaß`` weiterhin auf Mysterien hin untersucht wird. Haußmanns angebliches Lieblingswort ,,Spaß`` verwendet der Rezensent durchaus im ursprünglich unschuldigen Sinne. Inhaltlich geht es in dem Stück um den Probenbetrieb am Theater unter besonderer Berücksichtung sämtlicher zwischenmenschlicher Gemeinheiten. Der Blick hinter die sogenannten Kulissen des Theaters zeigt sehr schön auf, daß es im Theater auch nicht anders ist als im schnöden Alltag: ,,Das Theater gewinnt nicht gerade an Heiligtum und Geheimnisfülle, wo Marbers Text gespielt wird.`` Trotzdem wird Haußmann für die Wahl dieses Stückes gelobt, da es eben gerade den Bühnenbetrieb in exakt dem Maße entlarvt, ,,wie Leander Haußmann das deutsche Theater retten wird: nämlich nur für den, der das eine wie den anderen zu ernst nimmt.``
Obwohl die beiden Stücke nun wirklich nicht nur Mystifizierung des Theaters beitragen, dreht der Rezensent Haußmann daraus keinen Strick. Die Aussagen Haußmanns sind für ihn mehr ein netter Aufhänger als ein ernst zu nehmender Maßstab. Ihn interessieren mehr die konkreten Inhalte, die auf der Bühne gespielt werden als Haußmannsche Aussagen zu Gefühl und Emotion.
Der zweite Artikel in der gleichen Ausgabe des coolibri ist eine
Rezension der ,,Vaterlosen``, welche auch von Haußmann inszeniert
wurde (coolibri 12/95, S.59; B.3.4, S.
). Während die
oben besprochene Kritik sich vor allem mit den `Mysterien'
beschäftigt, wird hier vor allem der Spaßaspekt beleuchtet, welcher
hier nicht nur Aufhänger, sondern das durchgängige Thema
darstellt. Dazu bemüht der Kritiker die Metapher eines Regenmachers,
der in Brasilien mit einem Holzschlauch klappert, um Regen
herbeizurufen. In Deutschland hämmert vor allem Leander Haußmann auf
den Brettern (die die Welt bedeuten) herum, ,,bis der Witz
herauskommt``. Man merkt, daß der Autor bereits im Vorfeld Daten
über Haußmann gesammelt hat, die jetzt im Rahmen der Rezension nach
und nach gegen Haußmann abgefeuert werden. Ob dazu die eigentliche
Aufführung relevant war oder nicht, ist aus dem Text nicht eindeutig
ersichtlich. Im Einzelnen bringt er folgendes gegen Haußmann vor. Als
erstes nennt er die ,,Regeln der Spaßmacher``, die er direkt von den
Regeln der Regenmacher ableitet. Haußmann als Mitglied dieser vom
Rezensenten nicht gerade favorisierten erstgenannten Gruppe wird durch
drei Regeln charakterisiert, die wohl alle aus dem Interview
(MARABO 6/95, S.38ff; B.1.1, S.
) stammen:
Die Kritik beschäftigt sich über weite Stecken nicht mit der Inszenierung der ,,Vaterlosen`` sondern vor allem mit Haußmanns allgemeinen Aussagen über das Theater und dessen Nähe zu der Gefühlsregung ,,Spaß``. Diese gesammelten ,,Fakten`` werden dann zum Anlaß genommen, einen allgemeinen Frontalangriff gegen den neuen Intendanten zu starten. Solch eine undifferenzierte Breitseite kann man einfach nur als generelle Abneigung des Autors bezüglich Haußmann interpretieren.
Durch seine Äußerungen erreichte er auf jeden Fall eines:
Polarisierung -- und das schon vor der ersten Inszenierung in
Bochum. Die Kritiker der Szenemagazine lesen eben auch die
überregionalen Feullietons der großen Tageszeitungen und schreiben
daraus munter ab. So wird sehr gern die ,,fröhlichste Null unter
Deutschlands Regisseuren`` zitiert
(PRINZ 6/95, S.6; B.3.3, S.
) oder aber als Gegenpol der
,,`shooting star' der Spielzeit 1990/91``
(MARABO 6/95, S.38ff; B.3.2, S.
) benutzt.
Es hat mindestens drei Gründe, warum dieses Thema so interessant
ist. Erstens ist die Steckelsche Ära eher durch nachdenkliche,
düstere und politische Stücke in die Theatergeschichte
eingegangen (MARABO 7/95, S.94; B.3.2, S.
). Gerade das Wort
,,Spaß`` steht im krassen Gegensatz zu Steckels Theaterverständnis,
daß ,,das Leben unerträglich machen`` soll und daraus resultierend
auch die Rezeption seiner Inszenierungen. Auch das
,,Emotionale`` ist bei Steckels Inszenierungen die falsche
Charakterisierung, wenn man damit die Rezeptionsweise des
Theaterzuschauers meint. Haußmann sieht das genau entgegengesetzt.
Der Zuschauer soll nicht durch eine
Textanalyse zu Erkenntnissen kommen sondern durch das Schauspiel
emotional angesprochen werden und dabei seine individuellen Schlüsse
daraus ziehen (MARABO 6/95, S.38ff; B.1.1, S.
). So war
sein Bekenntnis zu ,,Emotion`` und ,,Spaß`` eine krasse Änderung des
Selbstverständnisses des Schauspielhauses.
Zweitens ist natürlich ,,Spaß`` ein durchaus umstrittener Begriff -- gerade im sogenannten ,,Hochkulturschema``.
Hochkulturelle Alltagsästhetik ist geprägt von einer Zurücknahme des Körpers. Konzentriertes Zuhören, stilles Betrachten, versunkenes Dasitzen -- fast immer befindet sich der Organismus im Ruhezustand. Heftige körperliche Reaktionen wie Klatschen, Pfeifen, Bravo- oder Buhrufe sind nur im Anschluß an die Darbietung üblich, nicht mittendrin (ganz im Gegensatz zur Jazz- und Rockmusik, über die an anderer Stelle noch zu sprechen sein wird). Tränen, Seufzen, laute Heiterkeitsausbrüche, Erröten, Mitsingen und andere körperliche Formen des Mitgehens verstoßen gegen den Kodex vergeistigter Empfangshaltung des kunstgenießenden Publikums [SCHULZE 1992, S.143].Wenn Haußmann fordert, daß ,,Sinnlichkeit und Völlerei`` im Theater wieder eingeführt werden sollte, dann ist das eine Kampfansage an das Hochkulturschema, für das das Theater der Identifikationsort schlechthin ist. Die Mitglieder dieses Schemas blickten auf eine lange (Theater-) Tradition zurück, die es natürlich gilt, weiterzuführen und gegebenenfalls zu verteidigen. Das Hochkulturschema existiert zu einem nicht gerade geringen Teil durch die Verhaltensweisen im Theater. Wenn ein Intendant diese verändern möchte, dann bedeutet das aus der Perspektive dieses Schemas Gefahr. Nun brachte Haußmann nicht nur das Emotionale auf die Bühne und von dort aus zum Zuschauer, sondern organisierte in der Kantine ZadEck Rockkonzerte und Partys. Das setze konsequenterweise seinem Treiben die Spitze auf und brachte die Mitglieder des Hochkulturschemas wahrscheinlich vollends zur Weißglut. Es ist offensichtlich, daß über solch eine ,,Kampfansage`` berichtet werden muß. Und das nicht nur, weil alle Leser dem Hochkulturschema angehören. Sondern es ist auch für andere interessant, wenn ein in der Gesellschaft ganz offensichtlich als ,,arrogant`` bekanntes Schema von einem neuen Intendanten angegriffen wird.
Betrachtet man nun nicht Schemata sondern Szenen, speziell die hier interessierende ,,Neue Kulturszene``, dann sieht man, daß Haußmann gerade diese mit seiner Konzeption erreicht.
Zur Aufführungskultur der Zwanglosigkeit gehört auch das Essen, Trinken und Rauchen während der Veranstaltung. So undenkbar ein Opernzuschauer ist, der einen Schluck aus der Flasche nimmt, so abwegig ist die Vorstellung eines Popkonzerts ohne Cola und Bier. Bis in die Sitzhaltungen, Mienenspiel und Gesprächsgegenstände hinein wirkt die Aufführungskultur der Spontaneität, die sich von der traditionellen Aufführungskultur der feierlichen Ordnung krass unterscheidet [SCHULZE 1992, S.481].Diese Szene besucht nicht nur Rockkonzerte, sondern widmet sich auch intensiv der Kleinkunst (Kabartett, Jazz, Lesungen, ...). Sie stellt das Subversive im Gegensatz zur Hochkulturszene dar. Diese ,,Neue Kulturszene`` ist wahrscheinlich der eigentliche Motor der Kulturszene. Hier wird noch mit Neuem experimentiert. Diese Szene ist noch ,,offen für ambitionierte ästhetische Projekte``, die -- wenn sie einmal etabliert sind -- später von der Hochkulturszene übernommen und dann ,,endgültig in die Vergangenheit befördert`` werden [SCHULZE 1992, S.480]. Daß Szenemagazine gerade solche innovativen Projekte und Kleinkunstereignisse ankündigen und darüber berichten zeigt deren enge Verbundenheit mit dieser Szene. Wenn sich also im etablierten Stadttheater, welches eher in der Hochkulturszene anzusiedeln ist, etwas entwickelt, was bis zu dem Zeitpunkt des Intendantenwechsels eher den Kleinkunstbühnen und Discos vorbehalten war, dann wird das natürlich von den Szenemagazinen gewürdigt, kritisiert oder zumindest zur Kenntnis genommen
Warum die physische Attraktivität so wichtig ist, liegt bei den
Szenezeitschriften auf der Hand. Deren Zielgruppe sind die jungen nach
außen orientierten Großstädter, denen Äußeres wahrscheinlicher
wichtiger ist als das bei anderen Gruppen der Fall ist
. Selbst Gruppen, die angeblich
nur die inneren Werte honorieren, benutzen die Unterscheidung schön --
häßlich. Die ,,außeren Werte`` spielen eben doch eine ziemlich
zentrale Rolle in unserer Gesellschaft [BIERHOFF 1993, S.61].
Nun sorgt aber Haußmanns Aussehen eben nicht nur dafür,
daß er dem Szenepublikum besser ankommt, sondern auch dafür,
daß sich praktisch ganz Deutschland für ihn interessiert (z.B.
Harald Schmitt Show).
Attraktive Personen bewirken aber bei ihren Beobachtern noch einen anderen Effekt. Die beobachtenden Personen konstruieren nämlich Persönlichkeitseigenschaften in die attraktive Person hinein. Daß die vor allem positiv sind, versteht sich fast von selbst: ,,Was schön ist, ist auch gut`` [BIERHOFF 1993, S.66]. Es sieht so aus, daß diese Eigenschaften vor allem kulturell festgelegt sind und dann mit der attraktiven Person assoziiert werden.
Das Aussehen wirkt sich besonders deutlich auf die Beurteilung von sozialer Kompetenz aus, weniger stark auf Anpassung, intellektuelle Fähigkeiten und Dominanz, und gering bzw. überhaupt nicht auf Integrität und Interesse an anderen [BIERHOFF 1993, S.66].Zu ergänzen ist, daß physische Attraktivität auch die berufliche Karriere positiv beeinflußt
Die Frage stellt sich nun, ob der Redakteur der Zeitschrift und auch
der Leser positive Eigenschaften in den Intendanten hineinprojiziert.
Zumindest für ihn selbst ist die Lage klar: ,,Man kann gar nicht so
gut ficken, wie die denken.`` (PRINZ 11/96, S.7; B.1.2, S.
).
Es ist natürlich schwer festzustellen, was in Haußmann
hineinprojiziert wurde und was Faktum war und ist. Trotzdem gibt es
diverse Hinweise. So waren die Erwartungen vor der ersten Premiere
unter seiner Intendanz fast grenzenlos. Alle Zeitschriften träumten
vom großen Neuanfang.
Hingegen kommt das Schauspielhaus bisweilen anachronistisch daher, mit gedämpftem Pausengemurmel, andächtiger Teilnahme und intellektuellem Gehabe (bospect 11/95, S.4ff; B.3.1, S.Mit Haußmann sollte dies alles ein Ende haben. Der PRINZ äußert sich ähnlich, denn er sich freut sich, daß der ,,Neue an der Ruhr neue Wege gehen`` wird und schließt mit einem Zitat aus der Pressekonferenz: ,,Theater ist überall`` und drückt damit den Unmut aus, den auch schon bospect geäußert hat, daß nämlich das Theater nur noch für eine kleine elitäre Minderheit da ist. Schließlich der MARABO freut sich darüber, daß Haußmann endlich wieder ,,das große Gefühl`` auf die Bühne zurückbringen wird. Das ist zwar auch dem Prinz wichtig aber der Marabo legt wert darauf, daß dieses wohl bei Steckel verlorengegangen ist und nun von Haußmann wieder reanimiert wird. Der coolibri kümmert sich bis zur Kritik der ,,Vaterlosen`` übrigens überhaupt nicht um irgendwelche Haußmannschen Gefühle, Frauengeschichten oder ähnlichen Dinge. Der coolibri hält sich beim neuen Intendanten vornehm zurück und beschränkt sich trotz des Rummels um ihn auf die Kritik der Stücke -- mit einer Ausnahme (coolibri 3/96, S.52; B.3.4, S.)
Einzig der coolibri hat erst einmal -- wie gesagt -- abgewartet und die Prophezeiungen Haußmanns erst in der Kritik der ,,Vaterlosen`` verarbeitet. Zumindest so wurde die oben beschriebene Bauchlandung auf den Brettern (die die Welt bedeuten) vermieden.
Im Oktober 1995 stellte der PRINZ fünf ,,Theatermacher``
schlaglichtartig vor (PRINZ 10/95, S.110; B.3.3, S.
). Der neue
Intendant des Schauspielhauses war auch von der Partie. Zu diesem
Zeitpunkt waren die Steckelschen Stücke abgespielt und Haußmann als
neuer Intendant des Hauses hatte mit den ,,Vaterlosen`` gegen Ende
Oktober Premiere. Der Prinz nutzte diese Übergangsphase, um Steckel
und Haußmann als Gegensätzliches Paar darzustellen. Steckel wird
dort als aufrichtiger Linker dargestellt, der seine Zeit
offensichtlich überlebt hat. Während Steckel den pessimistischen
,,politischen Dauerdiskurs`` darstellt, verkörpert Haußmann das
,,bunte Leben``. Das zweite Gegensatzpaar in
Tabelle 3 spielt auf die Inszenierung Steckels von
,,Warten auf Godot`` an. Dieses Stück spiegelt das
Selbstverständnis Steckels, die Zuschauer in existentielle Abgründe
zu schubsen oder in Endlosschleifen zu verheddern -- so wie es der
Autor Beckett auch beabsichtigt hatte [ESSLIN 1985, S.28]. Der PRINZ ist jedenfalls der Meinung, daß der Zuschauer lange genug auf
glücklichere Tage gewartet hat und empfiehlt, auf Haußmann
zu warten, denn der eröffnet ab Oktober den ,,Theater-Rave`` mit den
,,Vaterlosen``.
Nicht ganz so klar zu erkennen ist das Gegensatzpaar
Steckel--Haußmann im Marabo. Dieses stellt sich erst über zwei
Ausgaben im Juni und Juli 1995 dem Leser mit Langzeitgedächtnis
her. Während die Juni-Ausgabe ein sehr langes Interview mit Haußmann
enthält (MARABO 6/95, S.38ff; B.1.1, S.
), beschäftigt
sich die Juli-Ausgabe retrospektiv mit der Ära
Steckel (MARABO 7/95, S.94; B.3.2, S.
). Vor allem der
Aufmacher des Interviews wird den Lesern (vor allem den Weiblichen) im
Gedächtnis geblieben sein. Da sieht man neben einem ganzseitigen
Portrait (A4) die geschnörkelte Überschrift ,,Leander Haußmann``.
Jedenfalls: der Leser kann sich einfach nichts anderes denken, als
daß mit dem Intendantenwechsel etwas großartiges passieren wird. Dem
scheidenden Intendanten Steckel gönnt das Magazin im folgenden Monat
neben der Rezension seines Abschieds-Hamlets einen Kasten (viertel
A4), in dem die 9 Jahre nochmal beleuchtet werden. Während im PRINZ Steckels Intendanz im Rückblick negativ besetzt ist, ist sie im
Marabo eine neutrale bis positive Beschreibung von Steckels
Selbstverständnis. Sowohl seine Sicht der Welt als auch sein
,,Totentanz am Klippenrand`` wird akzeptiert auch wenn er das
Schauspielhaus ,,erfolgreich leergespielt`` hat.
bospect nutzt die Konträren Ansichten der beiden Intendanten in der Einleitung eines Artikels, der über die Kooperation des Schauspielhauses mit dem VfL Bochum berichtet. Diese Ehe lädt natürlich sowohl zu Sprachspielereien als auch zu Theorien über das Verhaltnis von Fußball und Theater. So hoffen die beiden Autoren, daß Haußmann durch seine Theaterkonzeption beim ,,Abstiegskampf gegen den Zuschauerschwund`` erfolgreicher ist, als sein Vorgänger Steckel. Bei seinen ,,kopflastigen Inszenierungen`` ertappte sich so mancher Zuschauer ,,beim Blick auf die Armbanduhr``. Haußmann soll nun die Zuschauerzahlen durch ,,Qualität und gleichzeitige Nähe zum Publikum`` wieder in die erste Liga befördern. Bospekt erkennt aber auch, daß die Nähe zum Publikum sich zur Zeit sich auf einen sehr ,,exklusiven`` Ausschnitt dieser potentiell sehr großen Gruppe bezieht. bospect hofft aber, daß Haußmann den ,,Kampf gegen festgefahrene Konventionen, gegen die angebliche Unvereinbarkeit von geistiger Hochkultur und Volksvergnügen`` gewinnen wird. Auch in der Einleitung zur Kritik der ,,Vaterlosen`` wird noch einmal kurz auf die unterschiedlichen Intentionen der beiden Intendanten eingegangen: ,,Viel Spaß! lautet das Programm und zielt entsprechend auf genau das, was während der Ära Steckels eben nicht bewirkt werden sollte.``
Die Artikel über den Intendantenwechsel in Dortmund halten sich in
den Szenemagazinen in engen Grenzen. Oder anders ausgedrückt: sie
behandeln den Intendantenwechsel `normal', wenn man die Flut der
Artikel bezüglich Haußmann sieht. Alle drei Szenemagazine (MARABO,
PRINZ und coolibri
) berichten darüber,
machen aber aus dem Wechsel kein großes Ereignis. Es gibt auch keine
Artikelserie in den Magazinen, sondern jeweils nur einen Artikel,
in dem John Dew vorgestellt wird. Die ersten Kritiken über die
Inszenierungen sind auch `normale' Kritiken, da sie sich eben mit
der Inszenierung beschäftigen und nicht mehr mit John Dew. Auch
werden seine Aussagen über sein Selbstverständnis nicht an der
Inszenierung überprüft. Aus diesem Grunde sind hier auch keine
Kritiken in die Analyse mit aufgenommen.
Die Besucherzahlen sind seit dem Beginn seiner Spielleitung vor zwei Jahren erheblich gestiegen, die Zuschauer haben sich im Schnitt deutlich verjüngt, der Spielplan ist facettenreich wie nie.Aber nicht nur quantitativen Erfolg konnte der Schauspieldirektor verbuchen, sondern auch qualitativen. So wurde das Stück ,,Black Rider`` zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen. ,,Eine Bequeme Ausgangsposition für den neuen `Helden' John Dew`` sieht deshalb der Kritiker und bezieht sich auf das rezensierte Stück von Heiner Müller, in welchem es um die ,,`Dialektik von Wahrheit und Lüge'`` geht. Sehr schön verwischt sich die Ebene der Berichterstattung über den Rauscchmiß des Schauspielleiters mit der Ebene der Rezension von ,,Macbeth``: ,,Die Wahrheit spricht, wer das Zepter in der Hand hält.``
John Dew taucht hier nur als der abstrakte neue Herrscher des Dreispartenhauses auf, während Pesel sowohl von seiner menschlichen als auch von seiner künstlerischen Seite sehr positiv charakterisiert wird. Der Leser gewinnt jedenfalls den Eindruck, daß Dew am Anfang seiner Intendantenlaufbahn eine ungerechtfertigte Entscheidung gefällt hat. Ja man könnte sogar auf den Gedanken kommen, daß Dew Pesel gerade auf Grund seines Erfolges entlassen hat, um nun mit dessen Ausgangsbasis arbeiten zu können und um seinen eigenen Leuten eine gute Ausgangsbasis zu bieten.
Wert gelegt wird auf die Generalintandanz John Dews, daß er nun
als Intendant der drei Sparten Oper, Schauspiel und Ballett deren
Kooperation fördern will. Inhaltlich will er weg vom ,,Mainstream``.
Was allerdings das heißen mag, wird in dem Artikel nur unzureichend
erklärt
. Es klingt auf jeden Fall positiv und
macht neugierig. Ein kurzer Blick in den neuen Spielplan zeigt eine
gewisse Ausgewogenheit zwischen Altbekanntem und Außergewöhnlichem.
Dew erhält diverse Vorschußlorbeeren, nicht zuletzt weil er in Bielefeld ,,Klasse und Renommee`` als Opernregisseur gezeigt hat. Aber der Autor fragt sich, ob Dew dieses Image auch als Generalintendant beibehalten kann. Das wird sich zeigen, wenn er den ,,Kunstkampf gegen den Theatermief`` in Dortmund aufnimmt.
Die Generalintendanz wird -- wie beim PRINZ -- als Aufhänger verwendet, um dann von dort aus die Inhaltliche Seite zu besprechen. Und die macht durchaus neugierig.
Der ehemalige Bielefelder Opern-Chef will neugierig auf das Unbekannte machen und ,,komische Sachen anpacken, die die Seele angreifen und weg von intellektuellem Getue führen.Nun könnte man meinen, daß Dew auch nur ,,Spaß`` und ,,Emotion`` im Sinne hat. Das wird aber an der Stelle korrigiert, wo der Spielplan vorgestellt wird.
`Solingen ist noch gar nicht so lange her, und auch 50 Jahre nach dem Krieg sind wir mit diesen Themen noch nicht durch. Theater und Oper sollen sensibilisieren und idealerweise Speerspitzen für gesellschaftliche Veränderungen sein.'
Ungefähr die Hälfte des Artikel beschäftigt sich aber nicht mit dem Künstler sondern mit dem `Organisationstalent' Dew. So will er erst einmal ,,Ordnung in den Betrieb`` bringen, damit demnächst das ,,optimale`` aus dem Haus herausgeholt und sein ,,ehrgeiziger Spielplan`` auch umgesetzt werden kann. Dabei entsteht das Bild eines souveränen Managers, der auch in den finanziellen Engpässen kein Problem sieht sondern eher eine Herausforderung.
Auch in diesem Artikel spielt die Entlassung des Schauspieldirektors Pesels durch Dew eine gewisse Rolle.
Auf den Fakt, daß Jens Pesel das Schauspiel wachgeküßt hat, geht der neue Generalintendant nicht ein.Unter der alten Intendanz Fechner/Pesel war nämlich die Zuschauerauslastung ein voller Erfolg gewesen. Ansonsten wird die Personalpolitik Dews durchaus gelobt, da er nur vier neue ,,SchauspielerInnen`` eingestellt hat. Die übrigen übernimmt er aus dem alten Ensemble.
Was eigentlich auf der Hand liegt, wird erstaunlicherweise nur in diesem Artikel thematisiert: zeitgleich mit Dortmund gibt es ja auch einen Intendantenwechsel in Bochum.
Nicht, daß MARABO Leander Haußmann und John Dew vergleichen will, nein wir doch nicht: Doch bemerkenswert bleibt die Tatsache, daß in unmittelbarer Städte-Nachbarschaft gleich zwei nicht ganz unbeschriebene Blätter der Theater-Szene die noch im Sommerschlaf befindlichen Häuser füllen wollen.
Alles in allem erhält Dew eine Menge Vorschußlorbeeren -- sowohl im künstlerischen wie auch im organisatorischen Bereich. Dieses durchaus positive Bild wird nur durch die Entlassung Pesels etwas relativiert.
Über John Dew gibt es wesentlich weniger zu erfahren als über Haußmann -- zumindest wenn es um persönliche Dinge geht (siehe Tab. 5). Explizit erwähnt auch nur der MARABO, daß Dew ,,sympathisch`` ist. Ansonsten schwingen die Charaktermerkmale eher zwischen den Zeilen mit. Wenn der Rezensent im coolibri von einer ,,bequemen Ausgangsbasis`` des ,,Helden Dew`` redet und der Rausschmiß Pesels auf Grund vom Intendanten Dew diagnostizierter ,,mangelnder Intelligenz`` passierte, dann schwingt da schon alles mögliche Negative mit. Im Großen und Ganzen wird Dew aber durchaus positiv beurteilt. Wenn er mal kritisiert wird, dann immer nur auf Grund von Pesels Entlassung.
Bezüglich seiner Theaterarbeit steht Dew aber sehr positiv dar. Man hat den Eindruck, daß er ein regelrechtes Arbeitstier ist, daß er als Chef das ,,Maximale`` aus dem Theaterbetrieb herausholen möchte. Um das zu erreichen, setzt er auf Konsens und vertraut auf die Kooperation mit der alten Schauspieltruppe. Wie man sieht: ein idealer Chef, der zwar hart führt aber die Mitarbeiter nicht als Feinde gegen sich haben will.
Inhaltlich will Dew (natürlich) neue Wege gehen. Während der MARABO diese Wege als ,,Neugier auf das Unbekannte`` beschreibt, ist der PRINZ da etwas plakativer: ,,Schulß mit dem Mainstream``. Trotzdem sollen alle Zuschauer befriedigt werden. So soll es sowohl ,,ungewöhnliches`` als auch populäre ,,Zuckerstängchen`` geben, was Dew mit ,,Theater für jeden Geschmack`` bezeichnet.
Zusammenfassend kann man sagen, daß Dew ein durchaus positives Bild
abgibt. Die Neugier auf die ,,ungewöhnlichen`` Stücke überträgt
sich durchaus auf den Leser. Nur die Entlassung Pesels läßt Dew ein
wenig arrogant erscheinen, was im coolibri ziemlich deutlich
herauskommt, beim MARABO nur am Rande und im PRINZ überhaupt
nicht. Es entsteht aber trotzdem der Eindruck, daß diese Geschichte
und die Intendantenwahl ganz allgemein in Dortmund mächtigen Wirbel
ausgelöst haben muß, da sich manche Zitate von Dew nur so erklären
lassen: ,,Mir kann keiner vorwerfen, ich sei ein Publikumsschreck...
(MARABO 10/95, S.108; C.1, S.
)
[...] Vielleicht schreibt mir ja mal jemand einen Leserbrief mit dem Stichwort ,,Spanner``? Leander Haußmanns Freundin, wo wir gerade beim Thema sind, inszeniert übrigens ,,Blick zurück im Zorn`` und meint damit NICHT die DDR. Nach Vater und Kumpels nun also das G'spusi; offenbar war der Familienzusammenhalt im Osten doch größer. Man hatte ja auch sonst nichts. [...]
PRINZ, 11/96, S.7,
hektisches Revier:
bospect, 11/95, S.4ff,
Nie mehr 2.Liga:
bospect, 12/95, S.12,
Rezension ,,Die Vaterlosen``:
MARABO, 7/95, S.94ff,
,,Samt & Untergang``, Steckels Hamlet:
MARABO, 7/95, S.94,
Steckels Intendanz:
MARABO, 10/95, S.46,
Der Spielplan:
MARABO, 12/95, S.90,
Die drei von der Sturm-und-Drang-Stelle:
| + | - |
| heftige Begabung | fröhlichste Null unter Deutschlands Regisseuren |
| magische Fähigkeit auf der Bühne Leben zu erschaffen | kunstvoll ins leere inszenieren |
| Begabung, Geschichten zu erzählen und zu erfinden | Weiß nicht, wozu das [Geschichtenerzählen?] und wohin mit ihnen [den Geschichten?]. |
| lobt sein Empfinden für Menschen und seine Liebe zu den Schauspielern | verwechselt Spiel mit Spielerei |
| versteht die Dimensionalität großer Theaterstücke nicht |
MARABO, 2/96, S.34,
Das ist eben so:
PRINZ, 10/95, S.110,
,,Die Suche nach dem Theater-Rave``, kurze
Vorstellung des Spielplanes, der Schauspieler und natürlich des Intendanten:
| Steckel | Haußmann |
| ,,Warten auf Godot¿` | ,,Warten auf Haußmann¡` |
| ,,...leise Art weise`` | ,,jung und laut`` |
| Pessimismus | Bewegung |
| ,,politischer Dauerdiskurs`` | ,,buntes Leben, Theater-Rave |
| ins Zentrum der Emotionen`` |
coolibri, 12/95, S.58,
Die Musik der Papageien:
coolibri, 12/95, S.54,
kultour:
coolibri, 12/95, S.59,
Endzeiteröffnung mit ,,Die Vaterlosen``
im Schauspielhaus Bochum FEUCHTFRÖHLICH IN DIE TROCKENZEIT:
coolibri, 3/96, S.52,
kultour:
MARABO, 4/96, S.103,
UNVERSCHÄMT Soap-Opera in Rosa:
| Harvey Milk | Rocky Horror Show |
| Maria Stuart | Kroetz / Zschokke |
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The translation was initiated by Bernd Porr on 8/13/1997